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Salzburger Nachrichten am 3. Juni 2005 - Bereich: kultur
Alpenfestung und Talflug Hans Schabus, Österreichs Vertreter bei der "Biennale di Venezia", wird den Hoffmann-Pavillon überbauen und einen Film über das Kanaltal zeigen. Martin BehrVillach (SN). Sein Film sei eine Annäherung an die Frage, wie man nach Venedig komme, sagt Hans Schabus, der österreichische Vertreter auf der Biennale in Venedig 2005. Österreicher reisen vornehmlich durch das Kanaltal mit seinem herben Charme. Der 35-jährige, im Kärntner Gailtal geborene Künstler wird auf der Weltkunst-Ausstellung ab 12. Juni eine ungeschnittene Kamerafahrt durch das Kanaltal aus der Vogelperspektive zeigen. "Ein Sinnbild für eine Reise ins Offene", hieß es bei der Filmpräsentation des Klagenfurter Universitätskulturzentrums Unikum in der Villacher Galerie Freihausgasse. Die üblicherweise für (militärische) Observierungszwecke eingesetzte, an einem Helikopter montierte "Wescam" zeichnet ruhige, fast schon meditative Bilder: den sich ständig verzweigenden Tagliamento, die verschlungenen Stränge der Eisenbahnlinie und der Autobahn, Hochspannungsleitungen, Brücken und Terminals, vereinzelt Häuser. Ein Transitort, ein Tal der Bewegungen. "Mit dem Auto fährt man in der kalten Jahreszeit in zirka 30 Minuten aus dem Winter in ein mediterranes Klima", sagt Schabus über das Tal, das sich den üblichen Kriterien touristischer Attraktivität entzieht. Der knapp 25 Minuten dauernde Film "Val Canale" zeigt bisweilen wüstenähnliche Landstriche und dokumentiert die Fahrt aus dem Alpenland ins Licht. In Venedig wird der Film ein Bestandteil einer Installation sein, die Hans Schabus "Das letzte Land" nennt. Der ehrwürdige, 1934 von Josef Hoffmann errichtete Österreich-Pavillon wird durch einen massiven hölzernen Überbau zu einer "Alpenfestung" ausgeweitet. Die Besucher können das Innere über ein Geflecht aus Stiegen erkunden, Aussichtsluken geben den Blick auf Natur und andere Pavillons frei. Es sei ihm ein Anliegen gewesen, beim Pavillon, dieser "nirgendwo hinführenden Toranlage", ein "Element der Blockade" einzuführen, berichtet Schabus im SN-Gespräch. Seine Arbeit sei von innen als Erkundungsraum, von außen als Skulptur zu betrachten. Bei der Konzeption seines Beitrages ist der Künstler von der gemeinsamen italienisch-österreichischen Geschichte ausgegangen. Von fernen "Alpenkriegstagen" bis zu Alpen-Adria-Klischees, vom Bau der Südbahn bis zu dem Umstand, dass die Biennale im selben Jahr gegründet worden ist wie das Amüsierviertel "Klein-Venedig" in Wien. Dort, wo heute der rot-weiß-rote Pavillon steht, war einst die Lagune, später wurde Land aufgeschüttet und ein Exerzierplatz errichtet. ",Das letzte Land‘ erzählt vom Schaffen und Aufheben von Räumen, hat auch viel mit Grenzen, nicht nur zwischen Italien und Österreich zu tun", sagte Schabus. 2003 hatte Bruno Gironcoli auf der Biennale Einblicke in seinen Kunstkosmos gegeben, heuer präsentiert Gironcoli-Schüler Schabus seinen Skulpturbegriff. "Ich habe enormes Interesse am Material. Ich beginne mit einer Analyse, mit Zeichnungen und wechsle dann in verschiedene Medien, Installationen, Filme, auch Fotos", erklärt der Künstler. An Gironcoli habe ihn immer fasziniert, mit welcher Vehemenz er Skulpturen fertige und lebe: "Dieser nie enden wollende Wunsch nach Kunst, diese Dringlichkeit war und ist einprägsam." Schabus räumt seinen Arbeiten einen feinen Humor ein, der jederzeit auch in Ernst und Verzweiflung kippen kann. Der "vorsätzliche Humor" sei seine Sache nicht, ihn interessiere "der Ernst im Humor". Stichwort Kärnten: Die Kulturpolitik im südlichsten Land Österreichs bezeichnet der Biennale-Teilnehmer als "kompletten Wahnsinn", das von Landesförderungen ausgegrenzte "Unikum" sei "ein Stein in der Brandung der Unwissenheit". |