

Wien - Im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) wurde nun endlich die Konsequenz gezogen: Direktor Peter Noever hat alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um aus seinem Haus eine Fabrik zu machen, ein Unternehmen, das endlich imstande ist, aus Kunst Kohle zu machen, ganz autonom zu agieren - endlich wirklich ausgegliedert.
Erreicht wurde das mit Importware aus den Niederlanden. Nur dass im MAK nicht kurzfristig, also mit Peter Paul Rubens gedacht, sondern - ganz im Gegenteil - zukunftssicher in zeitgenössisches niederländisches Low-Tech investiert wurde, in ausgereifte Produkte des Atelier van Lieshout. Speziell in einen Disziplinator und in das komplexe Versorgungs- und Verwertungssystem Technokrat.
Der Disziplinator präsentiert sich als konsequent geschlossene Einheit zum effizienten Schichtbetrieb in der Sägespänebranche. Der Technokrat als kostengünstige Variante von The Matrix, weil sie keinen Keanu Reeves braucht und auch keinen Laurence Fishburne. Einzig ein Darmverschluss könnte den ewigen Produktionszyklus im Technokraten stören. Aber auch dafür hat van Lieshout in langen Testläufen vorgesorgt.
Grob umrissen funktioniert die Anlage so: Die gekoppelten Einheiten Alkoholator, I-Faecal Experimental, Bunk Beds, Silos, Container und Biogas-Installation sorgen für einen Kreislauf aus Nahrung und Exkrementen. Der Alkoholator wurde in eine zweiten Entwicklungsstufe zwischengeschaltet, um die zentralen Verbrennungseinheiten erstens bei Laune zu halten und zweitens deren Exkrementproduktion zu stimulieren. Zur Erhaltung des Kreislaufs, der Energie zum Kochen und Heizen sowie Elektrizität liefert, werden 1000 Bürger benötigt, die mit einem Bunk Bed und Nahrung für ihre Verdauungsarbeit entlohnt werden. Deren Fäkalien werden abgesaugt und umweltschonend in Methangas umgewandelt.
Ungleich weniger komfortabel für den Einzelnen, aber ebenso effizient für die Außenstehenden funktioniert van Lieshouts Disziplinator: In geschlossenen Zellen aus handelsüblichen Gerüstbauteilen können 72 Insassen im Dreischichtbetrieb mit 36 Feilen an vier Baumstämmen raspeln, wobei die Anzahl der Betten wie Essplätze auf 24, die der Toiletten, Duschen und Waschbecken auf je vier, und jene der Zahnbürsten auf acht reduziert wurde.
"Man sollte besser im Technokraten sein", mein Joep van Lieshout, "das ist wie schlafen." Von außen betrachtet sieht die Sache schon anders aus: "Beim Disziplinator wurde auf Design verzichtet, beim Technokraten habe ich versucht, etwas Schreckliches so schön wie möglich zu entwerfen": Arts and Crafts für mehr Gewinn im MAK. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.06.2005)