OÖNachrichten
http://www.nachrichten.at/kultur/572542
© lentos
von
Irene Judmayer
Muss Lentos Klimt an Erben geben?
Ein Konflikt um zwei mögliche Restitutionsfälle im Linzer Kunstmuseum Lentos ist gestern bekannt geworden. Betroffen sind zwei Gemälde von Gustav Klimt und Emil Nolde. Gefordert wird die Rückgabe der Bilder an die Erben der früheren Eigentümer.

"Bildnis Maria Munk. 1917/18. Öl auf Leinwand, 180x90 cm, Inventar Nummer 149, erworben 1956" - das steht im Sammlungsverzeichnis des Linzer Kunstmuseums Lentos unter dem hochformatigen Bildnis einer jungen Frau. Fast skizzenhaft ist es angelegt. Dieses Werk von Gustav Klimt steht im Mittelpunkt eines neuen Kunstkonflikts. Die dargestellte Maria "Ria" Munk hatte 1911 im Alter von 24 Jahren wegen einer unglücklichen Liebe zum Schriftsteller Heinz Ewers Selbstmord begangen.

Klimt beauftragt

Ihre Eltern, der Großindustrielle Alexander Munk und seine Frau Aranka, gaben Klimt insgesamt drei Aufträge, Bilder von der geliebten Tochter zur Erinnerung anzufertigen. Aranka Munk nahm eines nach ihrer Scheidung 1913 mit nach Bad Aussee, wo sie eine Villa für die Sommermonate erworben hatte. Sie wurde 1941 nach Lodz deportiert, wo sie wenig später ums Leben kam. Ihren Kunstbesitz erklärte das NS-Regime für verfallen.

Das zweite von einer möglichen Restitution betroffene Bild aus der Lentos-Sammlung ist die "Maiwiese" von Emil Nolde (1915), das aus der Sammlung des Hamburger Urologen Julius stammen soll. Er floh mit Frau und Tochter 1938 in die Schweiz. Seine Kunstsammlung ging bei der Übersiedlung "verloren". Über unterschiedliche Wege gelangten die Bilder später in den Besitz der Stadt Linz und damit in das nunmehrige Lentos. Dieses Linzer Kunstmuseum geht zurück auf das Wolfgang-Gurlitt-Museum ("Neue Galerie der Stadt Linz"). Dessen Gründer, der Sammler Gurlitt, hatte in der NS-Zeit auch Kunst-geschäfte getätigt und ab 1940 in Bad Aussee gewohnt.

Seit 1998, der Zeit der ersten Linzer Restitutionsfälle (u. a. Schieles "Städtchen am Fluss"; Rückgabe war 2002), beschäftigt sich auf Initiative des Linzer Bürgermeisters Franz Dobusch und des Magistratsdirektors Erich Wolny ein Arbeitskreis intensiv mit der Provenienz der Sammlungsbestände der Museen der Stadt Linz. Um 2002 wurde dabei auch die Herkunft der Klimt-Werke überprüft. Resultat damals: Es gebe keinen Rückgabe-Tatbestand.

Erben beauftragten Anwalt

Doch die Erben der beiden früheren Eigentümer beauftragten 2005 den Wiener Rechtsanwalt Alfred Noll, von Dobusch die Rückgabe der Bilder zu verlangen. Wobei Noll betont, dass keine Klagsdrohung im Raum stehe. Das würde auch dem guten Gesprächsklima mit der Stadt Linz widersprechen. Er müsse aber nun an die Öffentlichkeit gehen, weil die Urgenzbriefe im Auftrag der Erben bisher nicht gefruchtet hätten. Es stünde Linz als Europäischer Kulturhauptstadt 2009 auch schlecht an, die Fälle unerledigt zu lassen.

"Davon kann auch gar keine Rede sein!", sagt der Linzer Vizebürgermeister, Kulturreferent und Lentos-Verantwortliche Erich Watzl dazu im OÖN-Gespräch: "Die Stadt Linz ist auch bisher sehr sensibel in den Fragen der Restitution vorgegangen. Wir haben ja bereits mit früheren Rückgaben unsere Seriosität bewiesen." Für den weiteres Ablauf sei ein "klares Procedere vorgeschrieben" dem - so Watzl - nun nachgegangen werde.

Wissenschaftliche Klärung

In einer Aussendung aus dem Büro von Bürgermeister Dobusch (derzeit auf Urlaub) wird betont, dass da nicht ein Bild mit Gewalt verteidigt wird, sondern es lediglich objektiv festgestellt werden soll, ob ein Restitutionstatbestand gegeben ist. So müsse auch wissenschaftlich geklärt werden, ob es sich bei dem Klimt-Bild im Lentos wirklich um das beanspruchte Porträt handle.

Tatsache ist: Linz hat sich wie kaum eine andere Stadt in den vergangenen Jahren ernsthaft und auf wissenschaftlicher Basis mit seiner NS-Vergangenheit auseinandergesetzt. Informationen dazu sind im Internet abzurufen (www.linz.at/

Archiv/de/19324_9626.asp sowie www.linz.at/Archiv/de/19324_13060.asp). Und es ist wohl auch nicht zu befürchten, dass sich dies in Linz in Hinkunft ändern wird.

OÖnachrichten vom 18.07.2007
 
   



© Wimmer Medien / OÖNachrichten
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf.
zurück