Ein
Konflikt um zwei mögliche Restitutionsfälle im Linzer Kunstmuseum
Lentos ist gestern bekannt geworden. Betroffen sind zwei Gemälde von
Gustav Klimt und Emil Nolde. Gefordert wird die Rückgabe der Bilder an
die Erben der früheren Eigentümer.
"Bildnis Maria Munk.
1917/18. Öl auf Leinwand, 180x90 cm, Inventar Nummer 149, erworben
1956" - das steht im Sammlungsverzeichnis des Linzer Kunstmuseums
Lentos unter dem hochformatigen Bildnis einer jungen Frau. Fast
skizzenhaft ist es angelegt. Dieses Werk von Gustav Klimt steht im
Mittelpunkt eines neuen Kunstkonflikts. Die dargestellte Maria "Ria"
Munk hatte 1911 im Alter von 24 Jahren wegen einer unglücklichen Liebe
zum Schriftsteller Heinz Ewers Selbstmord begangen.
Klimt beauftragt
Ihre
Eltern, der Großindustrielle Alexander Munk und seine Frau Aranka,
gaben Klimt insgesamt drei Aufträge, Bilder von der geliebten Tochter
zur Erinnerung anzufertigen. Aranka Munk nahm eines nach ihrer
Scheidung 1913 mit nach Bad Aussee, wo sie eine Villa für die
Sommermonate erworben hatte. Sie wurde 1941 nach Lodz deportiert, wo
sie wenig später ums Leben kam. Ihren Kunstbesitz erklärte das
NS-Regime für verfallen.
Das zweite von einer möglichen
Restitution betroffene Bild aus der Lentos-Sammlung ist die "Maiwiese"
von Emil Nolde (1915), das aus der Sammlung des Hamburger Urologen
Julius stammen soll. Er floh mit Frau und Tochter 1938 in die Schweiz.
Seine Kunstsammlung ging bei der Übersiedlung "verloren". Über
unterschiedliche Wege gelangten die Bilder später in den Besitz der
Stadt Linz und damit in das nunmehrige Lentos. Dieses Linzer
Kunstmuseum geht zurück auf das Wolfgang-Gurlitt-Museum ("Neue Galerie
der Stadt Linz"). Dessen Gründer, der Sammler Gurlitt, hatte in der
NS-Zeit auch Kunst-geschäfte getätigt und ab 1940 in Bad Aussee gewohnt.
Seit
1998, der Zeit der ersten Linzer Restitutionsfälle (u. a. Schieles
"Städtchen am Fluss"; Rückgabe war 2002), beschäftigt sich auf
Initiative des Linzer Bürgermeisters Franz Dobusch und des
Magistratsdirektors Erich Wolny ein Arbeitskreis intensiv mit der
Provenienz der Sammlungsbestände der Museen der Stadt Linz. Um 2002
wurde dabei auch die Herkunft der Klimt-Werke überprüft. Resultat
damals: Es gebe keinen Rückgabe-Tatbestand.
Erben beauftragten Anwalt
Doch
die Erben der beiden früheren Eigentümer beauftragten 2005 den Wiener
Rechtsanwalt Alfred Noll, von Dobusch die Rückgabe der Bilder zu
verlangen. Wobei Noll betont, dass keine Klagsdrohung im Raum stehe.
Das würde auch dem guten Gesprächsklima mit der Stadt Linz
widersprechen. Er müsse aber nun an die Öffentlichkeit gehen, weil die
Urgenzbriefe im Auftrag der Erben bisher nicht gefruchtet hätten. Es
stünde Linz als Europäischer Kulturhauptstadt 2009 auch schlecht an,
die Fälle unerledigt zu lassen.
"Davon kann auch gar keine Rede
sein!", sagt der Linzer Vizebürgermeister, Kulturreferent und
Lentos-Verantwortliche Erich Watzl dazu im OÖN-Gespräch: "Die Stadt
Linz ist auch bisher sehr sensibel in den Fragen der Restitution
vorgegangen. Wir haben ja bereits mit früheren Rückgaben unsere
Seriosität bewiesen." Für den weiteres Ablauf sei ein "klares Procedere
vorgeschrieben" dem - so Watzl - nun nachgegangen werde.
Wissenschaftliche Klärung
In
einer Aussendung aus dem Büro von Bürgermeister Dobusch (derzeit auf
Urlaub) wird betont, dass da nicht ein Bild mit Gewalt verteidigt wird,
sondern es lediglich objektiv festgestellt werden soll, ob ein
Restitutionstatbestand gegeben ist. So müsse auch wissenschaftlich
geklärt werden, ob es sich bei dem Klimt-Bild im Lentos wirklich um das
beanspruchte Porträt handle.
Tatsache ist: Linz hat sich wie
kaum eine andere Stadt in den vergangenen Jahren ernsthaft und auf
wissenschaftlicher Basis mit seiner NS-Vergangenheit
auseinandergesetzt. Informationen dazu sind im Internet abzurufen
(www.linz.at/
Archiv/de/19324_9626.asp sowie
www.linz.at/Archiv/de/19324_13060.asp). Und es ist wohl auch nicht zu
befürchten, dass sich dies in Linz in Hinkunft ändern wird.
vom 18.07.2007 |