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Kunstberichte

Galerien live

Manche mögen’s nass

Aufzählung (cai) In gewissen Gegenden würde man das, was Kader Attia aufgeführt hat, ja als Provokation auffassen. In der Wüste zum Beispiel. Wieso? Was hat er denn getan? Na ja, ein Aquarell gemalt. Und dafür so viel Wasser verbraucht, damit könnte ein Goldfisch sein Wohnzimmer komplett erneuern. Und das Ärgste: Das Bild kann man nicht einmal sehen! (Seit es getrocknet ist.) Weil der Attia pures Leitungswasser verwendet hat. Gut, bei uns, wo wir das Trinkwasser sogar beim Klo runterspülen, regt das eh keinen auf.

Gemalt hat er übrigens einen Würfel. Okay, nicht irgendeinen. Sondern die Kaaba. Das zentrale Heiligtum des Islam. Oh, das ändert jetzt natürlich alles. Das verdunstete Aquarell ist ein spirituelles Werk! Die Schau in der Galerie Krinzinger ist überhaupt sehr vergeistigt. Der Franzose mit algerischen Wurzeln schafft es mit einfachsten Mitteln, das Nichtgreifbare oder Abwesende eindrucksvoll zu inszenieren. So verwandelt er den "White Cube" (den "weißen Kubus", den sterilen Galerieraum) in einen "Black Cube", streicht ihn also schwarz, um dann so viel Couscous zu verschütten, dass davon eine Familie eine Woche satt würde. (Mindestens.) Mit einer Aussparung in der Mitte dieser Wüstenlandschaft deutet er nun die Kaaba bloß an. Stellt sie nicht plakativ vor uns hin. (Und der Besen einer übereifrigen Putzfrau kann in einer Minute alles ruinieren.)

Und was ist mit den Plastiksackerln, die sich anmutig, als wären sie die Venus von Milo, auf Sockeln räkeln? Die huldigen zweifellos dem Shopping, dem hinduistischen Gott des Kaufrauschs. Blödsinn! Diesen Gott hab ich grad erfunden. Die Sackerln, erwartungsvoll geöffnet wie Mäuler im Zoo zur Fütterungszeit, dürften eher die Sehnsucht nach dem Konsum ausdrücken, die viele nach Europa treibt. Diese ephemeren Arbeiten sind ungemein poetisch. Geradezu romantisch.

Galerie Krinzinger
(Seilerstätte 16)
Kader Attia
Bis 4. Dezember
Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 16 Uhr

Farben beißen nicht

Aufzählung (cai)Auf den Bildern vom Oliver Kropf sind viele lustige Farben drauf. Aber das könnte genauso gut ein Trick sein. Um arglose Betrachter anzulocken. Denn faschingsbunt, das ist Steven Kings Clown Pennywise ja auch. Und wenn die Kinder zutraulich werden, wird er plötzlich zum "Infantophagen" (zum Gschrappenfresser). Und wenn man nun den Leinwänden hier zu nahe kommt, wo die Buntheit so dicht ist wie ein Konfetti- und Papierschlangengestöber? Fallen dann die Farben über einen her und ... patzen einen an? Nein, die sind eh schon trocken. Die Heiterkeit ist trotzdem ziemlich gewalttätig. Und Clowns kommen da ebenfalls vor. "Die Geburt der Komödie": Ein dummer August wird von drei Schlägertypen brutal niedergeknüppelt. Hm. Muss eine "Slapstick-Komödie" sein. Happy Slapping. Die Bildinhalte sind meist eher diffus. Faschingsgschnas oder Apokalypse? Oder beides? Wurscht. Die wahre Sensation sind sowieso die abstrakten Partien. (So draufgängerisch.)

Galerie Frey
(Gluckgasse 3)
Oliver Kropf
Bis 20. November
Mo. – Fr.: 11 – 19 Uhr
Sa.: 10 – 16 Uhr

Wenn Bilder schunkeln

Aufzählung (cai) Ein Diptychon (vulgo: Doppelbild) kann jeder ganz leicht selber herstellen. Man starrt ein Gemälde an und fängt an zu schielen. Hans Grosch malt freilich das zweite Bild freundlicherweise gleich dazu. Strenge Tafeln, sparsam in Flächen unterteilt. Klingt fad? Na ja, wenn die Bilder nur Zucht und Ordnung zu bieten hätten. Doch sie haben noch diese unorthodoxe Eigenschaft. Sie besitzen nämlich nicht bloß ein Vorne, sondern obendrein ein ausgeprägtes Seitlich. Kurz: Die Seiten sind abgeschrägt. Klappen quasi weg. Das sorgt für Bewegung. Ein Pärchen scheint gar zu schunkeln. Im Hin- und Herschwanken kurz innezuhalten. Wohltuend.

Galerie Lindner
(Schmalzhofgasse 13/3)
Hans Grosch
Bis 27. November
Di. – Fr.: 14 – 18 Uhr

Printausgabe vom Mittwoch, 11. November 2009

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