Arnulf Rainer (* 8. Dezember 1929 in Baden bei Wien) ist ein zeitgenössischer österreichischer Maler. Bekannt sind seine Übermalungen.“ Das finden Interessierte zuallererst, wenn sie den Namen Arnulf Rainer in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia suchen. So knapp ist der Succus aus einem überaus bewegten Künstlerleben.
Dass die Suchmaschine anschließend mehr aussondert, ist auch Kunstunkundigen klar. Schließlich ist Arnulf Rainer der international bekannteste österreichische Künstler. Ein Topseller, der den Preis seiner Werke nach Quadratzentimetern berechnet. Ein Vielverkäufer. Auch ein Vielarbeiter. Morgen feiert er seinen Achtziger.
Aber derzeit wird der „Übermaler“ wohl nicht in seinem mit seiner Frau Hannelore umgebauten Bauernhof im innviertlerischen Enzenkirchen anzutreffen sein. Den Winter verbringt er meistens in seinem Zweitwohnsitz auf Teneriffa. Zum Auftanken quasi. Wobei man sich angesichts der unermüdlichen, mitunter fast inflationär die Galerien überschwemmenden Produktionswut Rainers schon fragt, woraus er diese gigantische Energie schöpft.
Die hatte er schon als Kind, wie er im OÖN-Interview sagte. Auch den Mut, sich gegen ein fragwürdiges Regelwerk zu stellen. Ansonsten wäre er als Jugendlicher wohl nicht in der nationalsozialistischen Erziehungsanstalt in Traiskirchen gelandet. Ansonsten wäre er auch von dort nicht geflohen, weil man ihn zwingen wollte, nach der Natur zu zeichnen.
1947 sah er das erste Mal in seinem Leben zeitgenössische Kunst. Das war in einer Ausstellung im British Council in Klagenfurt. Die Begegnung mit Werken von Henry Moore und Francis Bacon war ihm der Fußtritt in die eigene Kunst.
Dann kam es Schlag auf Schlag: Gründung der „Hundstruppe“ (u.a. mit Fuchs, Lehmden, Brauer, Hollegha, Mikl) und Einstieg ins Ausstellungsleben. Bekanntschaft mit dem kunstengagierten Priester Monsignore Otto Mauer, 1956 Gründung der Malergruppe „Galerie St. Stephan“. Von ihm als „Abtötungsübungen von Gier und Emotionen“ bezeichnete Übermalungen ab 1950, mehrfache Teilnahmen an documenta und venezianischer Biennale.
Von Abgeklärtheit des Alters ist bei Arnulf Rainer nichts zu spüren. Eher von wachsender Wut. Über Unwissenheit. Auch von wachsender Lust am Tun und am Verkauf seiner Bilder. Und all diese Wut und Lust fließt in neue Themenkreise seiner hochenergetischen Überzeichnungen, Übermalungen. Er ist ein Kraftlackl der Kunst.