| Ein blendendes Geschäft | |
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"Für den Staat ist es ja nach wie vor ein blendendes Geschäft: denn
Schiele ist inzwischen im Wert so gestiegen, dass die Sammlung heute nicht
acht, sondern rund 12 Milliarden Schilling wert ist", stellt Rudolf
Leopold fest. |
Es klingt nahezu wie aus einem Märchen: die Geschichte vom
Medizin-Studenten, der mit gespartem Taschengeld das erste Gemälde kauft
und schließlich Direktor eines eigenen Museums wird. Für Rudolf Leopold
ist dieser Lebenstraum nun Wirklichkeit geworden.
In einem Gespräch, das Gerhard Moser für ON Kultur mit dem neuen
Direktor führte, nimmt Rudolf Leopold u.a. Stellung zur Architektur des
neuen Hauses, zum nicht vorhandenen Ankaufsbudget sowie über das in den
USA beschlagnahmte Schiele-Gemälde Wally. ON Kultur: Herr Professor Leopold, wie fühlt man sich als
frischgebackener Hausherr im eigenen Museum? Rudolf Leopold: Sehr müde, nachdem wir in einer viel zu kurzen
Zeit eröffnen müssen. Das heißt, wir haben sieben Monate zu spät die
Zufahrtswege bekommen. Vereinbart war es für 1. Dezember, tatsächlich
möglich war es aber erst am 30. Juni. Es war natürlich eine physische
Belastung, jetzt mit allem fertig zu werden. ON Kultur: Es ist bekannt, dass Sie gerne ins organisatorische
Detail gehen. Aber steckt da nicht auch ein bisschen Lebensfreude
dahinter? Sie führen nun das große Leopold Museum. Rudolf Leopold: Die Freude über das Haus, die ist schon da. Ich
werde mich mehr freuen, wenn ich endlich einmal ausgeschlafen durch die
Räume gehen kann. Ich habe ja die Bilder zum Hängen selbst
zusammengestellt, was keine leichte Aufgabe war. Ich glaube, ich bin der
einzige Museumsdirektor, der sowohl die Rahmen als auch die Hängung selber
bestimmt. ON Kultur: Sie waren im Vorfeld der Eröffnung sehr skeptisch,
auch was die Architektur des Hauses betrifft. Hat sich da bei Ihnen
inzwischen etwas geändert? Rudolf Leopold: Die Architekten-Brüder Ortner waren dann doch
ansprechbar und haben gewisse Änderungen vorgenommen. Denn meine Frau und
ich wollten etwas mehr Tageslicht im Museum haben. Das haben sie letztlich
doch berücksichtigt. Ich bin mit den Räumen eigentlich sehr zufrieden. Es
ist ein sehr schönes Haus, besonders wenn sie an andere Gebäude hier
denken. Am schönsten wäre natürlich ein Museum, das nur eingeschoßig ist
und wo man überall das Tageslicht von oben hat. Aber das war hier in
diesem denkmalgeschützten Areal nicht möglich. Dafür habe ich die Nähe zum
Kunsthistorischen Museum. Und das ist für mich insofern sehr schön, weil
ich sagen kann: dort, wo das Kunsthistorische circa mit dem Jahr 1800
aufhört, setze ich mit dem 19. Jahrhundert fort, ohne das die Kunst des
20. Jahrhunderts nicht denkbar ist. ON Kultur: Sie haben auch die österreichische Museumspolitik
kritisiert. Eigentlich hat ja der Staat die Sammlung Leopold angekauft und
in eine Stiftung umgewandelt. Ist das nicht eine etwas schwierige
Position, wenn Sie die Politik kritisieren? Rudolf Leopold: Ich finde nicht. Denn der österreichische Staat
hat ungefähr 8 Milliarden bekommen für eine Zahlung von 2,2 Milliarden. Er
hat also ein blendendes Geschäft gemacht. Ich muss mich immer etwas
wehren. Denn wenn man mir nur den Ankauf der Sammlung vorgeschlagen hätte,
hätte ich dem Vorschlag nie zugestimmt. Es steht ja auch in der
Stiftungssatzung, dass ich ein Stifter bin, und zwar mit 72 Prozent. Der
österreichische Staat und die Österreichische Nationalbank sind es mit
jeweils 14 Prozent. Ich fühle mich deswegen vernachlässigt, weil wir
bereits acht Jahre lang kein Ankaufsbudget haben. ON Kultur. Aber das ist ja nicht nur ein Problem ihres
Museums. Rudolf Leopold: Doch, das ist ein Problem meines Museums. Alle
anderen haben ein Ankaufsbudget. Kein Geschäftsmann würde etwas um ein
Viertel des Wertes hergeben. Das habe ich aber gemacht. Darüber beschwere
ich mich nicht, denn ich wollte ja, dass die Sammlung geschlossen erhalten
bleibt. Aber der Staat sollte einhalten, was in den Erläuterungen zum
Nationalratsgesetz steht: nämlich ein jährliches Ankaufsbudget. ON Kultur: Der Sammler Leopold steht ja international und
natürlich auch in Österreich vor allem für den Namen Egon Schiele. Im
neuen Museum stehen zwei Geschoße für Schiele zur Verfügung. Nun die
obligate Frage: gibt es da noch einen freien Platz für das Bildnis
Wally? Rudolf Leopold: Ich habe ihn jetzt nicht freigelassen. Aber ich
wünsche mir natürlich, dass das Bild aus den USA zurück kommt. In meinen
Augen ist es eine unrechtmäßige Konfiskation. Und ich bedaure es zutiefst,
dass Frau Bondi-Jaray und Herr Dr. Welz nicht mehr leben. Denn dann würde
sich die Sache innerhalb von Wochen in Nichts auflösen. Es ist so, wie
manche Anwälte sagen: man probiert es eben. Und nach diesem Motto wurde
vorgegangen. ON Kultur: Sind Sie darüber traurig? Rudolf Leopold: Ja sehr. Es ist aber nicht nur deshalb, weil es
ein sehr schönes Bild ist. Seine Bedeutung kommt daher, dass Schiele es
als Gegenstück zu seinem bedeutendsten Selbstbildnis in Öl gemalt hat. Und
als solches ist es wirklich ein Verlust. Man weiß nicht, wie der Fall bei
der amerikanischen Rechtssprechung | ||||