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Museen der Stadt Wien: Gastarbeiter, Qualtinger, Paris

Rudern auf erhöhtem Schlag


300 Jahre Wiener Zeitung!Wien bekommt ein neues Museum. Jedenfalls einen neuen Museumsnamen. "Wien Museum" heißt die neue Dachmarke des alten Hauses, das Direktor Wolfgang Kos im April als "Historisches Museum der Stadt Wien" übernommen hat. Sie soll Dynamik, Selbstbewusstsein, Aktualität, Urbanität und eine sichtbare Zusammengehörigkeit der einzelnen Standorte signalisieren. Kos stellte gestern, Dienstag, auf einer Pressekonferenz die von Werbe-Profi Christian Satek entwickelten neuen "Wort-Bild-Marken" vor und präsentierte das Ausstellungsprogramm für 2004.
Darin ist mit "Alt-Wien" auch eine große Schau im Künstlerhaus enthalten: "Da haben wir die Krot geschluckt", so Kos auf gut Wienerisch, "und die nicht billige Miete akzeptiert." Als Vorentscheidung über eine künftige Bespielung der finanziell angeschlagenen Institution sei dies aber nicht zu werten. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) betonte, in den nächsten Tagen im Gespräch mit allen Beteiligten eine Lösung finden zu wollen.
Ab 1. Oktober, mit Start der Qualtinger-Ausstellung "Quasi ein Genie", trägt die "home base" (Kos) den Namen "Wien Museum Karlsplatz". Vorläufig noch mit dem Zusatz "Bisher Historisches Museum der Stadt Wien", denn "die Arbeit am Markenwechsel wird sicher bis weit ins Jahr 2004 reichen", meinte der neue Leiter, der mit diesem "Rebranding" einen "wichtigen und markanten Schritt auf dem Weg zu einer Neuprofilierung" setzen möchte. Das bisherige Schattendasein soll damit ein Ende finden. Der Leitbegriff Wien verbindet künftig auch das "Wien Museum Hermesvilla" und die zahlreichen weiteren Einrichtungen der Museumsgruppe (wie Uhrenmuseum, Virgilkapelle oder Musiker-Gedenkstätten).
Das Ausstellungsjahr 2004 beginnt Kos mit einem Doppelschlag: Ab 22. Jänner widmet sich das Museum gemeinsam mit der Initiative Minderheiten der jüngeren Geschichte der Arbeitsmigration in Österreich. In der Ausstellung "gastarbajteri" will man sich am Beispiel von zehn Orten einem "Thema, das in der Öffentlichkeit meist sehr verkürzt und aus der Perspektive der Österreicher dargestellt wird", stellen. Dazu zeigt Fotografin und Filmemacherin Lisl Ponger in "Phantom fremdes Wien 1991/2003" ihren über zehn Jahre alten Fotozyklus und einen neuen Essayfilm darüber. Kos: "Ein Nachdenken über ethnische Vielfalt in der Stadt, und wie diese darstellbar ist."
Die Ausstellung "Wiener Linien" beschäftigt sich ab 29. April 2004 nicht etwa mit der Geschichte des öffentlichen Verkehrs in der Bundeshauptstadt, sondern mit zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten, die "einen topografischen oder atmosphärischen Bezug zu Wien haben".
"Schiele und Roessler" (ab 8. Juli) gibt Gelegenheit, die wunderbaren Schiele-Bestände des Hauses, die großteils auf die Sammlung des Publizisten Arthur Roessler zurückgehen, mit einem Einblick in das Zusammenspiel von Künstler und Förderer zu verbinden. "Der Maler und sein Promotor - Kunst und Networking im frühen 20. Jahrhundert" lautet der Untertitel der Schau, auf die ab 4. November eine Präsentation von Paris-Bildern des großen Fotografen Henri Cartier-Bresson folgt.
Das Wien Museum Hermesvilla geht ab 16. Oktober (in Kooperation mit der Residenzgalerie Salzburg) auf eine "Orientalische Reise", die mit "Malerei und Exotik im späten 19. Jahrhundert" konfrontiert. Ab 6. Mai 2004 kann der Besucher Wiener Lokalmythen nachspüren: "Magische Orte" richtet sich vor allem an Kinder und jene, die "Ausflug und Kulturerlebnis verknüpfen wollen".
Im Künstlerhaus geht man ab 25. November dem "Sehnsuchtsbegriff" (Kos) Alt-Wien auf den Grund: "Wir beschäftigen uns da mit der Frage, warum Wien eine Stadt des Retrospektiven geworden ist."
Neue Ideen für die Zukunft des Künstlerhauses gibt es genug, etwa die "Win-win-Idee" (Kos), im ersten Stock eine ständige, interdisziplinäre Schausammlung des Wien Museums über die Ringstraßenzeit einzurichten und damit dringend notwendigen Platz im Haupthaus zu gewinnen. Doch dies wie auch Überlegungen zur notwendigen budgetären wie baulichen Sanierung des Künstlerhauses, die Zukunft des "kunstplatz karlsplatz" und die Befriedigung des zusätzlichen Raumbedarfes des Wien Museums (Kulturstadtrat Mailath-Pokorny: "Das wird sich mittelfristig lösen lassen müssen") ist alles noch Gegenstand von Gesprächen. - Wolfgang Kos: "Wir rudern auf erhöhtem Schlag. Ich glaube wir sind schon relativ weit."

Erschienen am: 03.09.2003

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