Salzburger Nachrichten am 3. Juni 2005 - Bereich: kultur
Zur Person

Der 1970

in Watschig im Gailtal geborene Künstler entspricht in seiner Arbeitsweise nicht den gängigen Österreich-Klischees. In der Kunst von Hans Schabus kommen Expressivität, Körperkult und radikale Innenschau kaum vor. Die Arbeiten des Schülers von Bruno Gironcoli sind vielmehr von einer direkten Beziehung zu einem räumlichen Denken und Erleben, von einer bewussten Auswahl der ihm zur Verfügung stehenden Medien geprägt. Nicht selten beziehen sich seine Skulpturen und Interventionen direkt auf das psychische und physische Umfeld des Künstlers.

"Skulptur ist für mich

Organisation von Material im Raum", sagt Schabus. Aus dieser Definition lässt sich eine Abkehr des Künstlers vom Geniekult ableiten. Transpiration statt Inspiration, das ist die Devise des Künstlers, der mit Installationen im Bregenzer Kunsthaus (2004), der Wiener Secession (2003) und auf der Manifesta 4 in Frankfurt (2002) internationales Aufsehen erregt hat. In Bregenz hatte Hans Schabus unter dem Motto "Rendezvousproblem" einen komplex verschachtelten Parcours geschaffen, der Besucher zum Entdecken des eigenen Ichs motivieren sollte.

In der Secession

ließ er den Eingang zumauern, als einziger Weg in den Ausstellungsraum diente ein Tunnel, der durch die Keller- und Nebenräume der Secession führte. Das Erfahren einer bislang unentdeckten Architektur als mögliche Hilfe für Selbsterkenntnisse war auch hier ein zentraler Aspekt. Unprätentiös präsentierte Filme ergänzten die Schau, die den Titel "Astronaut (komme gleich)" trug.

"Hans Schabus

verbindet auf außerordentliche Weise psychisch-physische Erfahrung mit analytischer Präzision. Er überwindet körperliche und räumliche Grenzen und führt sich und den Betrachter auf eine physische, emotionale, persönliche Erfahrungsebene - eine Ebene, die der Kunst im Allgemeinen in den letzten Jahren zunehmend abhanden gekommen ist", schreibt Biennale-Kommissär Max Hollein über den 35-Jährigen. Die von Schabus wiederbelebte Rolle des Künstlers als Forscher und Entdecker sei als Ausweg aus "einer mehr und mehr von Ironie und Abgeklärtheit beseelten Kunstszene" zu werten. m.b.