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vom 25.11.2005 - Seite Ars
Es geht um kreatives Lernen und Anwenden

Gerfried Stocker, Geschäftsführer im Linzer Ars Electronica Center und Leiter des Festivals Ars Electronica, und AEC-Museumschefin Nicoletta Blacher im Gespräch über Inhalte, Neuerungen und Vorhaben.

VON SILVIA NAGL UND WOLFGANG BEDNARZEK

OÖN: Zum Festival Ars Electronica kommen jedes Jahr Experten und Journalisten aus der ganzen Welt. Was hat das regionale Publikum davon?

STOCKER: Die internationale Reichweite des Festivals bringt in zweierlei Hinsicht Profit und Gewinn für die Menschen in der Stadt. Zum Einen hat das Festival eine enorme internationale Ausstrahlung. Das nützt der Stadt und dem Standort. Es ist gelungen, über den Markennamen Ars Electronica auch Linz ein internationales Qualitätsmerkmal zu geben. Zum Zweiten haben wir im Zuge des Festivals einen Know-how-Transfer in die Stadt. Künstler und Wissenschaftler sind nicht nur für einen Vortrag da. Manche arbeiten auch mit den Teams im Futurelab zusammen. So kommen Projekte zustande, die dann im Museum der Zukunft zu sehen sind.

OÖN: Die digitalen Medien sollen durch Ars Electronica für die Allgemeinheit besser nutzbar gemacht werden. Wie?

STOCKER: Noch einmal und ganz wichtig: Es geht nicht nur um neue Technologien. Es geht vor allem um die neuen Anwendungen dieser Technologien. Wir sind längst in einer Phase, in der die so genannte "digitale Revolution" im technischen Sinne vollzogen ist. Das heißt, wir haben die Technologien wie Internet oder Handy zur Verfügung.

Jetzt, bei der enormen Präsenz dieser Medien, geht es um die kulturelle Revolution, wenn man bei dem Begriff bleiben will. Das heißt, um die Frage, wo werden diese Technologien angewendet, wie können die Leute, die davon betroffen sind, damit umgehen, wie kann der Anwender diese Technologien aktiv und für das eigene und allgemeine Interesse aktiv anwenden? Wie kann man sich in die Lage versetzen, den Technologien nicht nur ausgeliefert zu sein?

Das wirklich Neue am Ars Electronica Center sind ja nicht so sehr die Geräte. Wir sind ja keine Computermesse wie die Cebit. Es geht um Anwendungszusammenhänge, um neue Ideen, was diese neuen Technologien überhaupt an Nützlichem produzieren können. Unnütze Geräte gibt es ohnehin genug - die sinnvolle und vor allem aktive Nutzung ist wichtig!

OÖN: Beim Antritt Anfang des Jahres als Museumleiterin haben Sie im OÖN-Gespräch gesagt, Sie möchten ein Haus, in dem es so richtig wuselt. Wuselt es im AEC schon genug?

BLACHER: Naja, mit 15 Prozent Besuchersteigerung in diesem Jahr wuselt es schon ganz schön! Außerdem ist eine Verjüngung unseres Publikums zu merken: Es kommen auch schon Kinder aus Volksschulen und Kindergärten zu uns ins Haus.

OÖN: Was sind Ihre kurzfristigen Pläne und Vorhaben?

BLACHER: Den Besucherstrom mehr auf das Jahr aufzuteilen durch gezielte Aktivitäten, wie beispielsweise im Jänner mit der Fachkonferenz "Simulation". Da geht es um Lernen und Forschen im 21. Jahrhundert. Und das ist ja genau unser Thema, das wir im AEC praktizieren: Lernen durch Kreativität, durch Spielen. Einerseits Bildung und Lernen, andererseits Unterhaltung - das wird ja von manchen nach wie vor als Gegensatzpaar gesehen. Das ist aber längst nicht mehr so, und das AEC zeigt, dass es dieses Gegensatzpaar nicht gibt. Neue Lernszenarien werden hier im Haus ausprobiert. Deshalb ist mir auch auch die Kooperation mit den Schulen so wichtig.

OÖN: Was sind die Herausforderungen der unmittelbaren Zukunft im AEC?

BLACHER: Im nächsten Jahr gibt es das AEC zehn Jahre. Da heißt es nachdenken, wohin wir weiter gehen wollen. Die unmittelbaren Herausforderungen sehe ich in der Vermittlung und in der noch intensiveren Zusammenarbeit mit Schulen, aber auch anderen Zielgruppen wie Klein- und Mittelunternehmen. Wir brauchen mehr Workshop-Räume, Laborsituationen. Das Haus platzt aus den Nähten. Wir hoffen, dass mit dem geplanten Anbau bis 2009 dieses Problem gelöst werden kann.

OÖN: Wieso sollte jemand mehrmals im Jahr das AEC besuchen?

BLACHER: Wir haben einmal pro Jahr eine neue Ausstellung. Es ändert sich also immer etwas. Aber wir merken schon, dass die Besucher auf unsere vielen Angebote reagieren und dass die Zahl der Mehrfachbesucher steigt. Deshalb bieten wir verstärkt auch Themenführungen an: Cyberwelten, Kunst und Technik oder Medienkunst.

OÖN: Ihre mittelfristigen Pläne?

BLACHER: Für mich ist es wichtig, die Lehrerweiterbildung auszubauen, weil wir von der Theorie bis zum praktischen Ausprobieren alles bieten können. Und die Erweiterung von Vermittlungsprogrammen mit einem Referentenpool, der gerade aufgebaut wird, um alle Altersstufen ansprechen zu können. Denn Lernen ist ein lebenslanger Prozess.

Das Ars Electronica bietet für alle Altersstufen, für viele Interessen etwas: Bildung, Lernen und Unterhaltung. Fotos: AEC (3), AEC/rubra (1), AEC/Pilo (2)

ZUR PERSON: FESTIVAL-LEITER

Gerfried Stocker

1964 in Judenburg geboren, begründete 1991 das x-space Team für die Umsetzung von interdiziplinären Projekten, arbeitete an Radio-Netzwerk-Projekten. Seit 1995 Geschäftsführer des AEC, seit 1996 mit Christine Schöpf künstlerische Leitung des Festivals Ars Electronica

ZUR PERSON: AEC-MUSEUMSLEITERIN

Nicoletta Blacher

1965 in Fohnsdorf/Stmk. geboren, studierte Theaterwissenschaft, Psychologie, Philosophie, Germanistik in Wien. Arbeitete im österreichischen Kulturservice (ÖKS), dann als Kulturmanagerin bei Kunstproduktionen (u.a. "Museumsinselfestival", "transportale ") in Berlin, seit 2005 AEC-Museumsleiterin


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