karl harbsalzburg (SN). Das Thema des Museumstags: Sammlungsstrategien der Museen. In Vorträgen, Diskussionen und Präsentationen werden rund 250 Museumsleiter und Entscheidungsträger aus ganz Österreich darüber reden, ob und wie die Museen heute noch in der Lage sind, der zentralen Aufgabe des Sammelns nachzukommen.
Das Sammeln hält der Direktor des Salzburg Museums, Erich Marx, wie er in einem SN-Gespräch versicherte, für die Kernaufgabe des Museums. "Die Sammlung ist die Basis jeder Museumsarbeit, daraus können wir alle Aktivitäten entwickeln." Wobei nicht vergessen werden sollte, dass sich der Großteil musealer Arbeit nicht unter den Augen der Öffentlichkeit abspielt, sondern auf der wissenschaftlichen und organisatorischen Seite: Archivieren, Aufarbeiten, Bestandssichtung und Dokumentation, Restauration und Pflege, Verleih und Verwaltung der Kunstschätze machen weit mehr "Arbeit" als die Präsentation von Ausstellungen. "Das Salzburg Museum verwaltet einen Gutteil des Kunstbesitzes von Stadt und Land Salzburg", sagt Marx.
Umso dringlicher sei es, in Zeiten schwacher Ankaufsbudgets strategisch zielgerichtet vorzugehen. Was seinen konkreten Ankaufsetat betrifft, seien im Budget dafür 50.000 Euro ausgewiesen. "Ohne unseren Museumsverein, der mit 4500 Mitgliedern der größte in Österreich ist, ginge nichts mehr", so würdigt Marx die Arbeit seiner wichtigsten "Helfer", die zusammen mit einzelnen Sponsoren das Budget für den Neuerwerb von Museumsgegenständen auf rund 120.000 Euro aufstocken.
Inhaltlich müsse man sich aber "selbst klar sein, welche Idee für eine Sammlung man sich zurechtlegt". Kooperationen und Schwerpunktsetzungen seien unerlässlich, denn nicht jeder könne alles sammeln. Das Salzburg Museum ergänzt sich beispielsweise mit dem Land dadurch, dass dieses für Ankäufe zeitgenössischer Kunst zuständig ist, welche dann im Museum Präsentationsflächen erhält. In der Säulenhalle des Museums sind bis 31. Oktober aktuelle Arbeiten zum Thema "Opulenz" zu sehen.
Schwerpunktsetzung heißt auch Arbeitsteilung. So ist etwa das Oberösterreichische Landesmuseum in Linz federführend im Bereich der Alltagskultur. Derartige kooperative Aufteilungen kämen nach und nach in Schwung, sagt Marx.
Eine grundlegende Frage sei auch die Steuerpolitik Österreichs, die es einem Mäzen derzeit nur erlaube, zehn Prozent des Vorjahresgewinns abzuschreiben. Bei den gegenwärtigen Preisen des Kunstmarkts und bei größeren Schenkungen wäre es laut Marx schon ein erster Schritt, die Abschreibungen auf drei bis fünf Jahre aufteilen zu können.
Was Leihgaben an Museen betrifft, warnt Marx, man solle die "Macht der Leihgeber" nicht unterschätzen. Sie blieben ja weiterhin Herr über ihre Sammlungen. Sinnvolle Kooperationen seien gleichwohl wichtig. "Dauerleihgaben" seien schon rechtlich ein Problem.
Standortvorteil und Themen, die ansprechen Mit der ersten Bilanz seines Museums ist Marx "sehr zufrieden". "Der neue Standort ist ein immenser Vorteil." Nach der großen Mozart-Ausstellung im Mozart-Jahr 2006 ist das "definitive" Salzburg Museum in der Neuen Residenz seit 1. Juni geöffnet und hat bisher mehr als 25.000 Besucher angezogen.
"Themen, die ansprechen" und eine "Präsentation, die für heutige Sehgewohnheiten Sinnzusammenhänge herstellt", seien als Konzept sowohl im permanenten Ausstellungsbereich "Mythos Salzburg" als auch in den Künstlerräumen unter dem Motto "Salzburg persönlich" hervorragend angenommen worden. Pro Jahr sollen hier fünf Räume wechseln, um zu zeigen, welche Schätze die Sammlung bereithält.
Obwohl: "Die Salzburger brauchen schon ihre Zeit, bis sie anspringen ." Dafür konnte man "sehr viel mehr begeisterte Touristen" an den neuen Ort bringen. Vom Kuratorium in der kommenden Woche erhofft sich Marx eine Erhöhung der Subventionen von Stadt und Land um je 300.000 Euro auf je 2,8 Mill. Euro - für ein gegenüber früher um zwei Drittel größeres, moderneres Haus und schon dadurch gestiegene Kosten.






