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Kunstberichte

Galerien live

Vom Büro zur Kratie

Aufzählung (cai) Kurator? Was ist denn das ? Und brauchen wir so was überhaupt? Zwei von denen, Maria de Corral und Dan Cameron, zeigen gerade in vier Galerien (Projekt "curated by"), wie man das tut, dieses "Kuratieren". Sie nehmen je einen Künstler, den die Galerie eh schon betreut, besorgen sich einen zweiten von anderwo, ziehen den beiden Boxhandschuhe an und ... der Sieger kriegt dann eine Ausstellung. Blödsinn! Es dürfen natürlich beide ausstellen. Eine saubere salomonische Lösung. Die müssen vorher nicht einmal schlammcatchen. (Schad’ eigentlich.)

Bei Layr & Wuestenhagen dokumentiert nun die Gruppe Mahony (die hier den Heimvorteil hat) die Abenteuer von einem Fass Sauerkraut, das der Ehrengast bei einem Essen am Ende der Welt hätte sein sollen, aber in Buenos Aires beim Zoll steckengeblieben ist, woraufhin es beim Versuch, es zu befreien, zu einer unheimlichen Begegnung der sechsten Art gekommen ist, nämlich nicht mit Außerirdischen, sondern mit andern weltfremden Lebewesen: den Beamten. Ach, wie in "Beamte (sprich: be-amte) mich hoch, Scotty"? Jedenfalls war’s wie beim Asterix. Der will ja einmal in der Präfektur (dem "Haus, das Verrückte macht") den Passierschein A 38 besorgen und wird vom Büro zur Kratie und wieder zurück geschickt, bis er entnervt den Passierschein A 39, den das Rundschreiben B 65 zwingend vorschreibe, erfindet und die Bürokraten gaga werden.

(Den Mahonys ist es freilich nicht geglückt, dass sich die Zöllner jetzt beispielsweise wie Würschtln fühlen und in einem vegetarischen Restaurant um Asyl ansuchen.) Da passt Koki Tanakas kontrollierte Zerstörungswut ja dazu wie der Senf zur Käsekrainer. Beim Marsch durch die Galerie (einem "Walk-Through") zertritt der Japaner herzhaft ein Chipssackerl (bestimmt sehr frustbefreiend) oder wirft einen Stein durchs Glas. 55 Jahre nach Godzillas erstem "Walk-Through" (in Tokio). Ein Zufall?

Layr Wuestenhagen Contemporary
(An der Hülben 2)
curated by_
Bis 6. Juni
Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr

Wer ist Ossi Cap?

Aufzählung (cai) Hm. Was will uns Waltercio Caldas (der "Eindringling" in der Galerie Insam) mit diesen verzwickten Bilderrätseln sagen? Wofür steht der Wollfaden, der da stur runterhängt? Das ist doch sicher kein fundamentalminimalistischer, weil ungehäkelter Topflappen. Dann diese Buchstaben. Wenn man die ordnet, kommen Namen raus. Caravaggio zum Beispiel. Oder Ossi Cap. Aber weil den kein Schwein kennt, wird wohl der Picasso gemeint sein. Ach, wahrscheinlich ist das eh bloß der Galgenhumor eines Malers, fünf Minuten vor dem Tod der Malerei. (Oder nach dem Tod?) Karina Nimmerfalls Architekturmodell (gestapelte Luxuswohnungen) hat auch irgendwie was Ironisches. Besonders die prächtige Aussicht auf New York (eine Filmprojektion), wo plötzlich ein Feuerchen ausbricht. Ein dezenter Katastrophenfilm halt.

Galerie Grita Insam
(An der Hülben 3)

Nix für Weichhirne

Aufzählung (cai) Auf den Galeriewänden nächst St. Stephan sind so komische Sachen drauf. Irgendein Code aus Befehlen und Zahlen. (Ein Fresko für Intellektuelle, das nix für Weichhirne ist?) Füttert man damit den Computer, erhält man ein virtuelles Abbild des Raumes, in dem man steht. Oh, wie wenn man auf einen Fleischteller kein Schnitzel legt, sondern das Rezept für Porzellan draufkritzelt. (Auf Suaheli.) Ein eleganter Trick von Karin Sander. Da wird einem der Ausstellungsraum endlich bewusst, von dem einen die Kunst ja immer so ablenkt. Ignasi Aballí ist da ein bissl romantischer. Er fotografiert diffuse Spiegelungen von Gemälden in polierten Museumsböden ab. Moment: Und die vierte Galerie? Tja, kein Platz mehr (für die Krinzinger, Seilerstätte 16). Weil man nicht vier Babys in drei Windeln wickeln kann. Quasi. (Sie hätt’ übrigens drei Sternderln gekriegt.)

Galerie nächst St. Stephan
(Grünangergasse 1/2)

Printausgabe vom Mittwoch, 27. Mai 2009

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