Das Museum moderner Kunst zeigt die Schau "Gender Check" über Rollenbilder in der Kunst Osteuropas
Waschtag für die alten Heldenbilder
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Neue Perspektiven ergeben sich in der Kunst des ehemaligen Ostblocks:
"Olimpia", eine Fotoarbeit von der polnischen Künstlerin Katarzyna
Kozyra, hinterfragt gesellschaftliche Tabus. Foto: Kozyra
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Von Brigitte Borchhart-Birbaumer

Mumok-Chef Edelbert Köb nennt es "fast eine Documenta". Kein Wunder:
Vier Ebenen des Museums moderner Kunst sind mit Werken zum "Gender
Check" aus 24 Ländern des ehemaligen Ostblocks gefüllt. Das macht rund
400 Arbeiten von über 200 Künstlern seit 1950. Ein Expertenteam steht
für die demokratische Struktur des von der Erste Stiftung geförderten
Projekts zur Erforschung der Geschlechterrollen im Osten 20 Jahre nach
der Öffnung.
Was in der Malerei des sozialistischen Realismus mit Heroen der
Arbeiter und der staatlich propagierten "geschlechtlosen Gesellschaft"
beginnt, hat sich schon in den siebziger Jahren stark gewandelt.
Private Freiräume und erste Liberalisierungen lassen nicht nur die Zahl
der Künstlerinnen steigen, die Medien ändern sich in Richtung
Performance, Installation und Fotografie. Dazu rücken
Geschlechterfragen ins Zentrum. Das Tabuthema Sexualität bringt, wie im
Westen, das Ende der heroischen Männlichkeit, den Abschied von rein
heterosexuellen Bestimmungen und neue Identitätsfragen mit sich.
Kritik und Zynismus
Die Zeit nach 1989 lässt konsumorientierte Einflüsse aus dem Westen
positiv und negativ eindringen: Die Geschlechterfrage bleibt virulenter
durch die Politik, da die neue Freiheit neokonservative Wellen des
Militarismus und der Minderheitenfeindlichkeit mit sich gebracht hat.
Daher ist die kritische bis zynische Betrachtungsweise im
Postsozialismus durch die Künstler als Korrektiv notwendig. Durch neue
Arbeitslosigkeit, die vor allem Frauen in den neunziger Jahren traf,
kommt es zur Politisierung des Privaten und in Kapiteln wie "Kapital
und Gender" und "Wiedergefundene Vergangenheit" sind neue Maskeraden
und Klischees zu finden.
Wesentliche Beobachtung betreffen aktuell die Schnittstellen
zwischen hierarchischen Rollenbildern und kapitalistischem System: In
diesem Punkt sind Ost und West seit einem Jahrzehnt künstlerisch wieder
vereint.
Einmal mehr ist bedauerlich wie wenige Künstlernamen bei
uns bekannt sind: Wer (außer den Experten) kennt Wolfgang Mattheuer,
Dóra Maurer, Ewa Partum und Marina Abramovic Oder die Jüngeren wie
Veronika Bromová, Milica Tomi oder Sanja Ivekovic?
Bei den vielen Künstlerteams fällt die estische Valie Export Society
auf, die 1999 gegründet wurde. Interessant ist das Wiedersehen mit
Textil- und Papierwerken der achtzigjährigen Künstlerinnen Magdalena
Abakanowicz und Adriena Šimontová, die zwischen all jungen Positionen
markante Orientierungspunkte setzen.
Der Nachteil der Menge an
Arbeiten und Positionen ist freilich, dass der Versuch eines Überblicks
am Verlust des Überblicks scheitert.
Ausstellung
Gender Check
Rollenbilder in der Kunst Osteuropas
Bojana Pejic (Kuratorin)
Zu sehen bis 14. Feb. 2010
Printausgabe vom Freitag, 13. November 2009
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