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Brustschwimmen

Aufzählung (cai) Es ist knallrot und hat zwei kolossale Beulen. Und wenn es sich heftig bewegt, wackeln die Beulen. Hm. Könnte das ein Tourist am Strand sein, den ein Flascherl Sonnencreme brutal an der Stirn getroffen hat (gleich zweimal hintereinander) und der trotzdem einen Sonnenbrand gekriegt hat? Durchaus. Oder es ist der Badeanzug von Pamela Anderson. Das Superheldinnenkostüm aus "Baywatch" hängt derzeit ja im Foyer vom Künstlerhauskino. Was? Das soll ein Überlebens-Outfit für Künstlerinnen sein? Hä? Dann müssen die, um das rote Fetzerl auszufüllen, aber so viel Persönlichkeit haben wie die Pamela. Aha, verstehe: Akademiker halten sich mit Taxifahren über Wasser und Künstlerinnen halt als Rettungsschwimmerinnen.

Und wenn sie einmal zufällig einen Museumsdirektor vorm Ertrinken retten (in seinem Whirlpool), kriegen sie zum Dank dafür eine Einzelausstellung. Um "Baywatch" geht’s auch in Ina Loitzls böser Installation. Um die beiden Hauptdarsteller. Ach, um Pamelas linke und rechte Boje, ums berühmteste Filmpaar der 90er Jahre? Nicht direkt. Oben auf zwei Hochsitzen, die auf echtem Sand stehen, flimmern zwei Puppentrickfilme: "Pamela läuft", "David schwimmt". Barbie (oder eigentlich Cindy) ist Pamela und rennt, bis sie umfällt. Und sinniert frustriert über ihre Rolle und Implantate. Und Ken als David Hasselhoff sauft im Wörthersee ab, der den Pazifik doubelt. Na ja, der Sand auf dem Boden ist ja ebenfalls nicht aus Malibu eingeflogen worden. Der stammt aus dem Baumarkt. Loitzl spielt zwischendurch auch sehr männlich mit ihren Puppen (obwohl die nicht einmal aufblasbar sind). Dreht einen Porno. Die Barbie bläst dem Ken ... jedenfalls keine Schwimmflügerln auf. Die vielen kleinen Details machen das Schmutzfilmchen geradezu liebenswert. Das Barbie-Universum ist eben voller geiler Accessoires.

k/haus Videogalerie im Künstlerhauskino
Akademiestraße 13, 1010 Wien
Ina Loitzl: "Beach", bis 22. August, tägl. 11 – 22 Uhr

Kommt ein Glasl geflogen

Aufzählung (cai) Sind es also doch nicht bloß die Russen, die dauernd mit Gläsern um sich schmeißen. ("Nastrovje!" – klirr!) Das gehört anscheinend eh auch bei den Amerikanern zur Folklore. Die werfen die Glasln sogar aus dem 52. Stock. Okay, streng genommen sind es keine Trinkgläser, sondern Glasscheiben. Und die lösen sich von selber von den Hochhäusern. Gregor Eldarb listet solche Unfälle auf der Wand vor der Passagegalerie auf. Die Galerie selbst hält man aber sowieso für ein aufgelassenes Geschäftslokal. (Ein Informationsbüro der Wiener Linien vielleicht.) Erstens kann man nicht rein. Nur von draußen rein schaun . Und zweitens denkt man, der Raum wär’ leer. Die drei schlanken Glasplatten, die in einer prekären Schräglage gehalten werden, bemerkt man praktisch gar nicht. (Wie die kleinen Löcher in der Wandverkleidung von Luisa Kasalicky.) Ein bissl mager, diese Huldigung an die Dynamik des Glases. Oder insgeheim raffiniert?

k/haus Passagegalerie
Karlsplatz 5, 1010 Wien
"In passing 12", bis 22. August

Abstrakter als Schinken

Aufzählung (cai)Ein Blattl Schinken ist eindeutig abstrakt. Dem sieht man das Schwein ja höchstens mit viel Phantasie noch an. Die Tafelbilder vom Ingo Nussbaumer sind noch abstrakter. Was er auf seinen Holzbrettln zerschneidet (absolut präzise), ist nämlich nicht die Welt der Fauna oder des Gemüses, sondern der Farben. Farben kann man zwar nicht essen (na ja, der van Gogh hat das schon einmal gemacht), aber dann jausnet man diese dichten, eleganten Systeme aus exakten Flächen und Streifen, wo die weltfremde Geometrie delikate Schatten wirft, halt mit den Augen auf.

Galerie Hubert Winter
Breite Gasse 17, 1070 Wien
Ingo Nussbaumer, bis 4. September
Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 14 Uhr



Printausgabe vom Mittwoch, 11. August 2010
Online seit: Dienstag, 10. August 2010 17:01:00

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