Kara Walker geht Fragen der
Identitätsbestimmung, des Rassismus und sozialen Missständen nach. Ihre
Arbeiten wirken zuerst harmlos und verspielt und lösen Fröhlichkeit
angesichts des kindlichen Sujets des Scherenschnittes aus. Erst bei
näherer Betrachtung bleibt einem das Lachen im Hals stecken.
Masters, Mummies und Uncle Toms
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| Untitled |
Zu
sehen sind nackte oder wenig bekleidete schwarze Sklavinnen,
Klischeebilder von Mummies, Uncle Toms und Masters. Manches Mal sind in
gewalttätige Misshandlungen wie Strangulation und das Abhacken von
Sklavenköpfen Vergewaltigungs-
szenen verstrickt. Oder es werden
überzeichnete Stereotypen von Masters und Mistresses dargestellt, um die
kleine schwarze Babys kreisen.
Ob Baumwollpflückerin oder Plantagenbesitzer, bei Kara Walker sind alle
schwarz auf weißem Grund. Wer Herr ist oder Knecht, ist nur an Kleidung
und Profil ablesbar. Im Gegensatz zu ihrer traditionellen Silhouette sind
Walkers Südstaatengeschichten aus dem 19. Jahrhundert raumfüllend.
Der Rassismus in den Südstaaten
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| The Emancipation
Approximation |
Ihre Wahl der
Scherenschnitt-
technik ist auf ihre frühen Erfahrungen im
amerikanischen Süden zurückzuführen, wo sie ihre Jugend verbrachte. Dort
herrschte eine Sehnsucht nach romantisierter und homogenisierter
Vergangenheit, die die Ära der Sklavenhaltergesellschaft behübschte und
ausblendete.
Diese Sehnsucht hat ihre Ausdruckskraft in zweifelhaften Spielarten wie
Liebesromanen, pornografischen Fantasien, Cartoons, alten Postkarten,
Sammelfiguren und eben Scherenschnitten gefunden. Walker benutzt nun genau
jene Technik des Scherenschnitts, um die verdrängten Inhalte dieser
Südstaatengesellschaft bloßzulegen.
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| The Emanzipation
Approximation |
"Der Scherenschnitt ist
eine fast vollkommene Lösung für ein komplexes Projekt, das ich in Angriff
genommen habe; nämlich den Versuch aufzudecken, wie Rassismus und
rassistische und sexistische Stereotypen auf oft subtile und unerfreuliche
Weise unser tägliches Leben beeinflussen", so Walker.
Die Künstlerin als Projektsfläche
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| The Emancipation
Approximation |
Angeregt von
Figurensilhouetten, die in Deutschland als traditionelle
Weihnachtsdekoration beliebt sind, hat Kara Walker anlässlich ihrer
Ausstellung im Deutschen Guggenheimmuseum Berlin drei papierdünne
Skulpturen entworfen.
Weiters wurden in Berlin zeichnerische Vorlagen in mattschwarzes,
lackiertes Metall umgesetzt. Zu den Wirkungsweisen ihrer Arbeiten, die
weltweit meist begeisterte Zustimmung oder Entrüstung auslösen, meint sie:
"Der Rassismus hat sich tief eingegraben in unsere Psyche. Es sind
verdrängte, kollektive Fantasien, die ich zeige. Als schwarze Frau weiß
ich, was das heißt. Ich bin Projektionsfläche für alles, was irgendwie
anders und abstoßend ist."
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| Influence of the Recent Dead,
2001 |
Tipp:
Die Ausstellung im Solomon-Guggenheim-Museum ist bis zum 7.7. in Berlin
zu sehen. Der Kunstverein Hannover zeigt vom 9.6. bis zum 4.8. Kara Walker
unter dem Titel "For the Benefit of All Races of Mankind". Am 5. Dezember
2002 eröffnet das Mumok in Wien eine Kara-Walker-Ausstellung, die bis
Februar 2003 laufen wird.
Links
Deutsches Guggenheim Berlin
Kunstverein Hannover