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| 03.10.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Krems: Wilde Hausfrauen im Schatten | ||
| Wie ein Steinbruch: Eine enzyklopädische Leistungsschau österreichischer Künstlerinnen in Krems, ausufernd und verführerisch. | ||
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Sanft und grausam zugleich wuchert sie aus ihrer linken Wange - gerade eine üppige Rose ist's, die Florentina Pakostas ernstes Frauenporträt entstellt. Ja, die Damen in der Kunstgeschichte. Exotische Ranken im männlich dominierten Genie-Kult? Wilde Fräuleinblüten, gezüchtet vom Kunstbetrieb? Oder alles Schneeglöckchen von gestern - wen kümmern heute noch die Geschlechter? Schließlich zählt allein die Qualität. Mitnichten. Und doch herrscht dünne Luft für "Mimosen - Rosen - Herbstzeitlosen" an der Spitze der internationalen Best-Price-Listen. Diesen nicht unproblematischen Titel wählte Christa Hauer, selbst Künstlerin und als Gründerin der IntAkt Galerie 1976 Promoterin der weiblichen Kunst in Österreich, für ihre gemeinsam mit drei weiteren Kuratorinnen in der Kunsthalle Krems aufwendig erarbeitete Ausstellung über Künstlerinnen in Österreich seit 1945: drei Blumen-Namen, zu lieblich, verniedlichend auf den ersten Blick. Doch, allen altmodische Klischees witternden Unkenrufen
zum Trotz, diese mit 200 Werken von 160 Künstlerinnen enzyklopädisch zu
nennende Leistungsschau füllt immer noch leichtfertig verdrängte Lücken,
auf die nicht oft genug hingewiesen werden kann. Ihre Berechtigung findet
eine reine Frauen-Ausstellung heute vor allem in ihrem historischen Teil.
Denn wer kennt sie heute schon, die Künstlerinnen, die im Schatten der
Phantasten, Aktionisten, Informellen ihre (Lebens-)Werke schufen? Die
farbenprächtigen Teppiche von Johanna Schidlo, die ephemer-sinnlichen
Gemälde von Franziska Wibmer, der ersten Frau von Josef Mikl, oder die
magischen Perfomances von Rita Furrer? Maria Lassnig und Valie Export sind
im Rückblick die dominanten Ausnahmen einer scheinbar zurückhaltenden
weiblichen Kunstproduktion. Die jüngste Generation, eine Elke Krystufek
oder Esther Stocker allerdings, vom globalisierten Kunstmarkt rascher
aufgesogen, haben heute andere Kämpfe auszutragen als die um ihre
Akzeptanz als Frauen. So spaltet sich auch die Ausstellung, die vehement und
chronologisch beginnt, in einem zweiten Teil jedoch etwas wahllos, weder
thematische noch zeitliche Orientierung bietend, auseinander driftet.
Gleich zu Beginn steht der wohl stärkste Raum der Schau: Streng und prägnant dokumentiert er die Vertreterinnen einer geometrisch-abstrakten Kunst in Österreich. Die großen Op-Art-Bilder der im vergangenen Jahr verstorbenen Helga Philipp finden sich hier u. a. neben Marianne Madernas' minimalistischen Skulpturen und Esther Stockers flirrend-spielerischen Verschachtelungen. Ein konzentrierter, geballter Auftritt. Weiter geht es dann chronologisch und nach Medien wie Malerei, Fotografie, Performance geordnet. Gleich vier frühe gestische Bilder Maria Lassnigs aus dem
Jahr ihrer Reise nach Paris mit Arnulf Rainer 1951 betonen den Beginn des
Informells in Österreich. Kontrastierend gegenübergestellt ein noch
ziemlich klassisches Stillleben Lassnigs, nur einige Jahre früher
entstanden, 1946. Schön aufgearbeitet auch die 70er Jahre, als der
Feminismus Motor für viel freche und - interessanterweise sonst eher
spärlich vorkommende - ironische Kunst war. "Die drei K's" - Küche,
Kirche, Kinder - präsentierte Lotte Hendrich 1975 in einem Setzkasten aus
Acryl, zusammen mit drei Porzellankrügen als Staubfänger. Den Besen
schwingen lasziv dazu die wilden Hausfrauen von Birgit Jürgenssen.
Vertreten durch ihre köstlich-kritischen Zeichnungen, das sarkastische
Aktions-Relikt der umhängbaren "Küchenschürze" sowie in ihrer Rolle als
Mitglied der Gruppe "Die Damen", ergibt sich in Krems beinahe eine kleine,
dringend nötige Retrospektive der Künstlerin, die erst vergangene Woche
dem Krebs erlag. Ungebunden von Themen wiederholen sich im zweiten Teil
der Schau dann etwas konfus einige Namen und Positionen. Doch
nichtsdestotrotz wurde hier bemerkenswerte Arbeit geleistet, in einem
ausführlichen Katalogbuch festgehalten. Eine Ausstellung wie ein
Steinbruch, der grundlegendes Material für eine bewusstere Kunstgeschichte
Österreichs liefern kann. Bis 15. Februar. Tägl. 10-18 Uhr. Rahmenprogramm: www.kunsthalle.at |
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