Chillida - der Raum, die Masse und die Leere

Von Holz bis Stahl und Alabaster reichte der Bogen der verwendeten Materialien.


Zur Bildhauerei fand der 1924 in San Sebastian geborene Chillida über den Umweg des Zeichnens. Zwischen 1943 und 1947 studierte er an der Madrider Akademie der Schönen Künste. Zum Ärger seines Vaters gab Chillida sein Architekturstudium auf und ging 1948 nach Paris.

Die Materialien

"Mural 103", 1984 (Material: gebrannter Ton) / ©Bild: VG Bild-Kunst, Bonn 2002

In seiner mehr als 50-jährigen Laufbahn hat Chillida die Bildhauerei mit seinem Verständnis von Raum und Form revolutioniert. Er experimentierte mit allen möglichen Materialien: Holz, Ton, Stahl, Granit, Beton, Alabaster, Terrakotta.

Seine große Liebe galt aber dem Eisen:"Es ist hart, aber gefügig, und damit es so wird, muss es heiß sein.", sagte Chillida. Auch arbeitete er mit der Erde, einem Material, das "bereitwillig annimmt, was man daraus macht".

Lieblingsmaterial Eisen

Zum Eisen kam Chillida quasi per Zufall, als er 1950 nach Spanien zurückkehrte und sich in Hernani niederließ. Die Entdeckung in einer Schmiede kam gerade zur rechten Zeit, denn der Künstler steckte in einer tiefen Schaffenskrise. Jeden Tag ließ sich Chillida in aller Frühe vom Meister am Amboss ausbilden.

Von der Leichtigkeit der Schwere

Obwohl Chillidas Arbeiten bis zu 100 Tonnen schwer sind, verleihen Bögen und Windungen ihnen eine unnachahmliche Leichtigkeit. Sein berühmtestes Werk ist der "Kamm der Winde", der 1977 in der Bucht von San Sebastian entstand. Die Skulptur besteht aus drei ineinander greifenden, halb offenen Ringen, die aus den Felsen am Meer herausragen.

Die See, die Chillida von seinem Haus sehen konnte, war auch eine seiner größten Inspirationsquellen, wie auch die Musik Bachs, die Poesie Goethes und die Philosophie Heideggers.

Raumfragen

Der "Kamm der Winde" ist das Sinnbild für Chillidas ewigen Kampf mit dem Raum und der Leere. "Ohne die Leere kann man nichts machen. Es ist der große Brunnen, aus dem alles geschöpft wird", lautet einer seiner Aussprüche.

Einen "Architekten der Leere" nannte sich der Bildhauer selbst. Dem Konflikt in seiner Heimat und dem Terror baskischer Separatisten konnte er sich nicht entziehen. "Das hat mein Werk beeinflusst", räumte er ein. An Demonstrationen gegen die ETA nahm der Humanist Chillida aber nur gelegentlich teil.

Chillidas Erfolge

Seit seinen ersten Einzel-Ausstellungen Ende der 50er Jahre und dem Großen Internationalen Preis für Skulptur der 29. Biennale in Venedig (1958) sind Chillidas Werke in aller Welt zu Hause. Für Frankfurt am Main schuf er 1986 das "Haus für Goethe" und 1994 den "Gruß an Heidegger", im Rathaushof zu Münster ist die Skulptur "Toleranz und Dialog" (1993) zu sehen. Auch in Deutschland wurde der Baske mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Kaiserring der Stadt Goslar (1985).

Im September 2000 erfüllte er sich einen Lebenstraum und eröffnete in Hernani in einem alten Bauernhaus sein eigenes Chillida-Museum. Eines seiner größten Projekte blieb jedoch unerfüllt: Die Aushöhlung des Tindaya-Bergs auf der Kanaren-Insel Fuerteventura, den er in ein Kunstwerk verwandeln wollte, stieß auf erbitterten Widerstand der Umweltschützer und wurde immer wieder hinausgezögert.

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