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Salzburger Nachrichten am 4. September 2006 - Bereich: Kultur
Ausstellung
Es ist eine Zwischenform, nicht Relief, aber auch nicht raumgreifende dreidimensionale Skulptur, die seit der Vorwoche in der Galerie Ropac in Salzburg in mehreren, seit 2005 geschaffenen Bronzen zu entdecken ist. Die schwarz oder weiß patinierten, frisch oder bereits geknickt und gebeugt wirkenden bronzenen Blumen in Vasen oder anderen Formen sind Ergebnis eines langen Prozesses der Formfindung.
Ihr Schöpfer ist der US-Amerikaner Donald Baechler, der 2004 eine Klasse für Malerei der Internationalen Sommerakademie Salzburg unterrichtet hat. Er lebt und arbeitet in New York
"Ich gehe immer von der Zeichnung aus, sammle fremde Zeichnungen und meine eigenen, entwerfe und halte fest, der nächste Schritt ist die Weiterführung in die Malerei", erläutert Donald Baechler im SN-Gespräch. "Erst zuletzt kommt die Skulptur - und hier beginne ich mit Holz, Papiermaché und Gips. Zum Schluss wird in Bronze gegossen." Die langwierige Entstehung seiner Werke ist in der Ausstellung anhand von schwarz-weißen Gouachen und Collagen nachzuvollziehen.
Die Ergebnisse wirken wie monumentale Scherenschnitte. Die raue und spröde, andererseits glatte und seidig schimmernde Oberfläche der Skulpturen erinnert an das diffizile Handwerk. Trotzdem wirken die Formen einfach. Zu dieser Schlichtheit fand Baechler aus einem Zustand der Unzufriedenheit, als ihn vor rund zwanzig Jahren die akademischen Haltungen in der Kunst nicht mehr befriedigten. "Der Vergleich meiner Arbeit mit der von Jean Dubuffet und der Art Brut ist insofern korrekt, als es auch bei mir damals darum ging, die einfachen Formen wie jeder Mensch, jedes Kind sie zeichnet aufzugreifen", erläutert der Künstler. "Solche Formen von Blumen oder Männchen oder Bäumen trägt jeder in sich. Es sind visuelle Informationen, die allgemein gültig sind."
Er habe beobachtet, was Menschen - ohne Kunst machen zu wollen - zufällig und irgendwo zeichneten, sagt Baechler. Davon habe er sich inspirieren lassen. "Es war ein neues Sehen, ein Neuerfinden, ein Zulassen, dass etwas Fremdes, das von außen kommt, von mir gesammelt und aufgenommen wird."
Wie Donald Baechler mit dem Bronzeguss eine klassische Methode anwendet, so findet er auch formal zu einer Art "Klassik", indem er verschiedene Bezugssysteme vereint. Baechler sammelt historische Zeichnungen berühmter Künstler oder in Bildern festgehaltene Eindrücke irgendwelcher Menschen, die sich nicht als Künstler verstehen. Er sagt, er suche dabei nicht nach Unterschieden und Gegensätzen, sondern nach dem Gleichen, das er zusammenführe, akkumuliere und extrahiere. Die Ergebnisse seien eine spezifische Ausprägung von Minimal Art. GUDRUN WEINZIERL "New sculptures and related works", bis 30. 9., Galerie Ropac, Salzburg. |