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08.11.2006 - Chronik / Wien - Der Tag
Killt Rehweisschen!
VON ALMUTH SPIEGLER

J
etzt reicht es dann aber mit dem betulichen Gut mensch-Gesumse rund um die lieben wilden Tierchen, die wir gerade einmal aus Disney-Fil   men und dem Zoo kennen, und die bösen blutgeilen Jäger. Nach Bruno, dem reizenden schäfchenmordenden Kuschelbären - Gott hab ihn selig in seiner bayrischen Tiefkühltruhe - soll jetzt ein sächsisches Albino-Reh auf der Todesliste stehen. Was natürlich von den zuständigen Jagdverbänden schleunigst dementiert wurde. Erstens gibt es den Aberglauben, dass, wer ein weißes Tier schießt, ihm alsbald selbst in die ewigen Jagdgründe folgt. Und zweitens wollte man wohl verhindern, dass das Volksmusik-Paar Stefanie Hertel und Stefan Mross tatsächlich tut, was es angekündigt hat: Nämlich ein Benefiz-Konzert zu veranstalten, "damit Rehweisschen nicht stirbt". Sorry, aber dafür habe ich "Natural Born Killer"-Freak nur eine Antwort - siehe Titel. Und zwar flott.

Geben sich meine Kollegen an dieser Stelle zurzeit gerne als gepflegte Misanthropen, bin ich dazu auch noch - bis auf wenige, hoch elegante Hausdrachen-Ausnahmen - zoophobe Tierhasserin. Sozusagen eine Art Marie-Antoinette der Postmoderne: Wozu Natur, wenn man auch Kunst haben kann? Denn, sagen Sie mir bitte, was gibt es viel Köstlicheres, als sich an einem einsamen Vormittag in der Wiener Kunsthalle völlig kranke Video-Interviews mit einem anscheinend völlig autistischen US-Star-Zeichner Raymond Pettibon reinzuziehen? Wenig, glauben Sie mir. Außer Albino-Rehe mit Märchennamen zu jagen. Im Geiste.

almuth.spiegler@diepresse.com

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