Die Albertina buhlt mit einer Neu-Aufstellung von Werken der klassischen Moderne um Publikum
Die permanente Wiedergeburt
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Attraktive Meisterwerke, neu aufgehängt in der Albertina – Georg
Baselitz’ "Einer malt mein Porträt" (2002) hängt aber trotzdem nicht
verkehrt. Foto: Fotostudio Heinz Preute
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Was dem Namen nach eine "Graphische Sammlung" ist, muss innen längst
keine mehr sein. Die "Meisterwerke der Moderne aus der Albertina"
machen’s möglich: Ab Freitag präsentiert sich das Haus als Museum der
klassischen Moderne und Nachmoderne. In den Räumen der "Jeanne and
Donald Kahn Galleries" und der "Propter Homines Halle", im Ober- und
Hauptgeschoß also, verweilen wichtige Leihgaben der Sammlungen
Batliner, Forberg, Ploil und Djerassi in neuer Hängung bis zu den
nächsten Großausstellungen.
Nicht, dass Bilder in der "Graphischen Sammlung" vor der Ära
Schröder kein Plätzchen fanden – ausgewählte Genrewerke fungierten bei
Ausstellungen als Vergleichsobjekte. Nun allerdings sind die Gemälde
eindeutig in der Überzahl, dazu kommen noch Plastiken von Alberto
Giacometti, Constantin Brancusi, Germaine Richier und Giacomo Manzu.
Die Kritik an der Umgestaltung liegt auf der Hand, denn der Anteil der
Grafik ist verschwindend gering.
Andererseits muss man davor den Hut ziehen, welche Fülle von
Meisterwerken des 20. Jahrhunderts sich nun häuft. Damit hat sich die
Wiener Museumslandschaft nachhaltig geändert. Werke, für die Werner
Hofmann als Gründer des Museums des 20. Jahrhunderts (Vorläufer des
heutigen Mumok) nie das Ankaufbudget bekommen hätte, sind jetzt auf
einen Schlag da: Bilder von Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, Henri
Matisse, aber auch des deutschen Expressionismus und der russischen
Avantgarde.
Fast schon eine One-Man-Show
Die Darstellung der Nachmoderne, die (wie in anderen Museen üblich)
heimische und internationale Positionen konfrontiert, wird durch zwei
Ausstellungen im Herbst ergänzt: Eine zeigt Fotoarbeiten von Erwin Wurm
und Gottfried Helnwein, eine weitere entsprechende Werke von William
Kentridge, Südafrikas Künstlerstar dieser Tage.
Wäre der Katalog zur aktuellen Ausstellung nicht fast ausschließlich
von Rainer Metzger geschrieben und die Schau von Marie-Louise Sternath
und Antonia Hoerschelmann mitkuratiert, müsste man die Albertina
langsam als One-Man-Show Klaus Albrecht Schröders bezeichnen.
Die permanente Wiedergeburt aus den großzügigen Privatleihgaben
bietet sich freilich als ideales Krisenmanagement an: Diese Aufstellung
kann als Reaktion auf die Bundessubvention gelesen werden, die der
Albertina um zwei Millionen Euro zu wenig ist. Nichtsdestotrotz werden
bereits Pläne für Michelangelo- und Picasso-Ausstellungen lanciert –
auch sie sind natürlich Garanten für Publikumsströme.
Ausstellung
Sammlung Batliner:
Meisterwerke der Moderne Klaus Albrecht Schröder (Kurator) Albertina (01/534 83) Dauerausstellung
Printausgabe vom Donnerstag, 28. Mai 2009
Kommentare zum Artikel:
28.05.2009 Kunst neu definiert
Aber wieso nicht ausdehnen
und erweitern eines Konzeptes? Das darf und vor allem kann sich die
Albertina erlauben, so hat man mehr Publikum und Attraktivität, und die
eigenen Wurzeln werden auch nicht vergessen.
Doris
28.05.2009 Künstlerisches Highlight
Ich zähle mich mit
Sicherheit zu jenen Menschen, die das Engagement der
Albertina-Organisatoren hinsichtlich groß angelegter Ausstellungen wie
der Van Gogh Schau im vergangenen Jahr oder der nun kommenden
Schausammlung "Meisterwerke der Moderne" positiv sehen. Natürlich ist
der Grundgedanke der Albertina die Präsentation grafischer Werke, doch
500.000 Besucher 2008 allein bei Van Gogh können nicht irren, wenn es
um die Auswahl der gezeigten Werke geht. Ich werde mir die heute
beginnende Ausstellung in jedem Fall anschauen in der Hoffnung, dabei
das eine oder andere verschollen geglaubte Meisterwerk zu entdecken.
C.S.
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