WIEN (uw/sp). Wie konnten 2100 Liter Wasser Ende Juni in den Tiefspeicher der Albertina gelangen? Auf die Frage gibt es jetzt zumindest eine wahrscheinliche Antwort, die Direktor Klaus Albrecht Schröder und Burghauptmann Wolfgang Beer in einer Pause des Expertengipfels am Dienstagnachmittag präsentierten: Demnach wurden in der Isolierschicht des Depotdachs vier daumengroße Löcher gefunden.
Sie dürften bei Bauarbeiten entstanden sein. „Sehr wahrscheinlich", so Beer, passierte es 2005, als für den Einbau des Roboterlagersystems einige Quadratmeter der Decke nachträglich geöffnet wurden. Das Depot selbst war auf Drängen Beers bereits 2001, vier Jahre vor der Inbetriebnahme, gleichzeitig mit dem Studiengebäude errichtet worden. Dadurch, sagt Beer, habe man sich damals einen zweistelligen Millionenbetrag erspart - „sicher mehr als die Kosten nach dem Wasserschaden betragen".
Ein solche Transportöffnung sei auch nicht unüblich, betonte Schröder: Immerhin passe ein derartiger Roboter nicht durch die Tür und müsse zudem später auch irgendwie ausgewechselt werden. Klarheit, ob die Schäden 2005 entstanden, soll ein Vergleich der Niederschlagswerte bringen: Blieb das Depot bis 2005 trotz starken Regens dicht, erhärtet das die Theorie.
Gesammelt haben dürften sich die großen Wassermengen übrigens nicht in „unterirdischen Seen", wie Schröder vermutete, sondern in der Drainage-Schotterschicht zwischen Asphalt und Isolierung. Ob es noch weitere Löcher gibt, wird nun mit elektrischen Sonden erforscht. Parallel wird an der künftigen Sicherheit des Depots gearbeitet. „Rückfallsysteme" sollen entwickelt werden, die „einspringen", wenn eine Schutzvorrichtung versagt.
So soll eventuell z. B. einerseits der Asphalt verbessert werden und andererseits im Depot ein Zwischengeschoß eingezogen werden, das trotzdem hereintropfendes Wasser auffängt. Aus dem Kreis der Fachleute hört man aber auch Kritik an Beer: Vom „Flicken" der Decke raten deutsche Experten ab. Dichtende Schichten sollten komplett neu aufgetragen werden.
Ausstellungen vor Absage?
Unruhe herrscht aber auch an anderer Front: Es könnte sein, räumte Schröder nun ein, dass doch Ausstellungsprojekte abgesagt werden müssen. Und: Anfang August als Starttermin für die Auslagerung der 950.000 Werke (unter Schutz der Cobra) scheint noch nicht ganz fix. Das externe Zwischenlager beschreibt Schröder als „bekannt", Gerüchten zufolge handelt es sich um das Kunstdepot der Firma „Artex" bei den Gasometern. Apropos Gerüchte: Dass der frühere Albertina-Vizedirektor Alfred Weidinger, wie unlängst bei einer Diskussion im ORF behauptet, nun Konsulent der Albertina sei, stimmt nicht.
(Die Presse, Printausgabe, 15. 7. 2009)










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