



Eines der 68 Porträts: Der 1988 verstorbene Erich Fried.
Graz - "Ich bin nicht gläubig. Das kann niemand von mir verlangen" , sagte Bruno Kreisky der Fotografin Herlinde Koelbl, die Ende der 80er-Jahre Juden zu ihrer Identität befragte und in wunderschönen Schwarz-Weiß-Fotografien festhielt. Kreisky gehörte der letzten Generation an, die in einer geistigen wie intellektuellen deutsch-jüdischen Symbiose groß geworden war. Die preisgekrönten Jüdischen Portraits wurden in Chicago, Frankfurt und Wien gezeigt. Nun sind 46 der 68 Fotos bis November im Grazer Stadtmuseum zu sehen, darunter jene von Georges Tabori, Simon Wiesenthal und Teddy Kollek. Berührende und höchst unterschiedliche Statements von Agnostikern und gläubigen Juden werden ebenso präsentiert wie sehr persönliche Erinnerungen an den Holocaust.
Koelbls Arbeit wurde zum historischen Dokument: Zwei Drittel der porträtierten Wissenschafter, Politiker, Künstler oder Journalisten sind mittlerweile tot.
Alle ungekürzten Interviews wurden nun im S.-Fischer-Verlag neuaufgelegt. (cms, DER STANDARD/Printausgabe 18.3.2010)
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