| Orpheus und Eurydike schwarz gefärbt | |
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Die arfoamerikanische Künstlerin Kara Walker wurde in Wien durch ihre Gestaltung des Eisernen Vorhangs in der Wiener Staatsoper während der Spielzeit 1998/99 bekannt. |
Im Frühjahr 1997 stellte
Staatsoperndirketor Ioan Holender eine Neugestaltung des Eisernen Vorhangs
zur Diskussion. Jahrzehntelang war der etwas verstaubte und politisch
nicht ganz korrekte Vorhang des Nazikünstlers Rudolf Eisenmenger mit dem
Motiv "Orpheus und Eurydike" vor Beginn jeder Vorstellung zu sehen. Es wurde eine internationale Jury gebildet und die Juroren Robert
Fleck, Kasper König, Hans Ulrich Obrist und Nancy Spector wählen seither
jährlich einen bildenden Künstler aus, der den Eisenmenger-Vorhang mit
einer seiner Arbeiten überdeckt. Das Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit
museum in progress und das
Motiv wird mittels computergestütztem Calsi-System auf eine 176
Quadratmeter große Plane übertragen.
Schwarze Objekte der Begierde Während der Spielzeit 1998/99 kam als erste Künstlerin Kara Walker zum
Zug. Da tummeln sich in einer hügeligen Landschaft zwischen drei Bäumen
Schattenrisse, die mit ihren wulstigen Lippen leicht als Stereotype von
Afrikanern zu erkennen sind. Ihr groteskes Spiel hat wenig mit dem
europäisch tradierten antiken Mythos von Orpheus und Eurydike zu tun.
Orpheus bläst auf einem Saxofon, aus dessen Trichter ein Turbanträger
entweicht. Der Scherenschnitt erinnert frappant an das Titelbild der Ausstellung
Entartete Kunst von 1938. Ein weiterer Mohrenkopf, der aus
dem Geäst eines Baumes ragt, reicht Eurydike eine übergroße Kaffeebohne,
die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem weiblichen Geschlecht hat. Der Mohr
als Symbol des sinnlichen Eunuchen, wie er so oft als sexistisches
Klischee in der Oper vorkommt.
Reaktionen des Wiener Publikums Walkers Vorhangbild, das die alltäglichen rassistischen Klischees auf
der Bühne und im Kulturbetrieb thematisiert, traf mit ihrem provokanten
Sujet den Nerv des Wiener Kulturlebens. So kritisierte die Wiener "Presse"
die Darstellung als "plattes Grafik-Design, wie es sich jedes bessere
Hotel in Kenia oder Mauritius hinter den Bartresen pickt." Noch erboster klingt ein anonymer Briefschreiber, der sich empört an
den Operndirektor wandte: "Wie man sieht, ist die Staatsoper zum
afrikanischen Dschungel-Theater herabgesunken". Reaktionen, die Walker
nicht wundern - legt sie doch den Finger auf genau solche rassistischen
Äußerungen des Alltags. Diese Saison hat der Amerikaner Richard Hamilton ein der Oper
artverwandteres Sujet zur Gestaltung des Vorhangs gewählt: Es zeigt eine
colorierte Fotografie der Mailänder Scala. Link: Wiener Staatsoper | ||||||