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KulturKontakt Austria fördert nicht nur Übersetzungen und Präsentationen österreichischer Literatur

Kulturachse Wien-Südosteuropa

Von Mingnan Zhao

300 Jahre Wiener Zeitung!KulturKontakt Austria wurde im Jahre 1989 gegründet mit der Aufgabe, Kunst und Kultursponsoring zu vermitteln und zu beraten. An diesem Leitsatz hat sich bis heute nichts geändert, außer, dass das Ministerium bald eine Organisation suchte, "die sich um kulturellen Dialog mit Osteuropa kümmert und sich darum bemüht, einerseits Künstler aus den Ländern einerseits zu unterstützen, andererseits aber auch einen kulturellen Austausch, hier im Sinne eines Dialoges, zu machen", so Kurt Wagner, Geschäftsführer von KulturKontakt.
Im Jahre 1994 nahm diese Organisation auch den Bildungsbereich auf, wo man die Bildungsreform zu unterstützen versuchte, jene Reformmaßnahmen wie Lehrerausbildung, Lehrplanausarbeitung oder Unterrichtsmaterialentwicklung. Bald entstand ein Netzwerk von Bildungsbeauftragten, die vom Wiener Hauptquartier von KulturKontakt in mehr als elf Ländern Südosteuropas geschickt wurden, um Projekte zu initiieren.
1998 kamen einige Sonderprojekte dazu, die dem Stabilitätspakt in Südosteuropa den Weg einebnen sollen: Ein Projekt ist zum Beispiel das Organisationsbüro "Task Force Bildung und Jugend", das überregionale Bildungsprojekte veranstaltet.
Im Auftrag des BMBWK betreut, organisiert und vermittelt KulturKontakt nun seit 14 Jahren, und egal ob von Kultursponsoring oder Bildungsaufbau in Südosteuropa die Rede ist, ist das Ziel letztendlich die Verbindung von Menschen und ihren Welten. Im nachfolgenden Interview mit der "Wiener Zeitung" sprechen Kurt Wagner und Annemarie Türk, Bereichsleiterin Kultur und Sponsoring, über ihre langjährigen Erfahrungen.
"Wiener Zeitung": Welche besonderen Ereignisse oder Projekte gab es bei KulturKontakt in diesem Jahr?
Wagner: Schwerpunkt in diesem Jahr ist sicher das MuseumsQuartier, da war im Herbst letzten Jahres die Eröffnung des quartier21, das war für uns eine wichtige Gelegenheit, in Österreich einmal stärker aufzutreten durch Präsentationen osteuropäischer Künstler und Künstlerinnen.
Zwei große Projekte, die wir in diesem Jahr abgeschlossen haben: Das erste Projekt ist das so genannte "ECONET", ein Netzwerk von Übungsfirmen in Südosteuropa, ein Projekt im Rahmen des Stabilitätspaktes, das sich damit auseinander setzt, dass in osteuropäischen Staaten Simulationen von Unternehmen in Schulen erprobt werden. Die Schüler lernen in der Praxis das wirtschaftliche Denken, ein Unternehmen zu führen. Das ist in Osteuropa etwas sehr Neues, Innovatives. In jeder österreichischen Handelsakademie gibt's mehrere solcher Übungsfirmen, wir haben es auch nach Osteuropa gebracht.
Das Besondere daran ist nicht, dass es in jedem Land einzeln gemacht wird, sondern dass wir Süd- und Osteuropa miteinander vernetzen, dass Schulen aus Rumänien, Bulgarien und Albanien zusammenarbeiten. Das Interessante dabei ist, wenn man den politischen Hintergrund bedenkt, dass die doch eher "einbahnmäßig" in den Westen geschaut haben, aber nicht miteinander kooperieren wollten.
In einer zweiten Phase wird es ausgedehnt werden, und unser Ziel ist es, es in ganz Osteuropa zu haben. Da haben wir gute Chancen dafür. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Bildungskooperation erfolgreich machen kann in Südosteuropa.
Ähnlich läuft es im zweiten Projekt "TOURNET", das für Tourismusvernetzung steht. Der Kern ist auch Bulgarien, Rumänien, Albanien, wo es darum geht, die Kenntnisse in der Tourismusausbildung zu bessern, die Grundlagen für die Ausbildung zu modernisieren.
"Wiener Zeitung": In welchen Schulen werden diese Projekte durchgeführt?
Wagner: Das gibt es in höheren Wirtschaftsschulen.
"Wiener Zeitung": Welche Bildungsprojekte gibt es zur Zeit?
Wagner: Zum Beispiel das KEC (Kosovo Education Centre). In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Außenministerium, dem Schweizer Department für Bildungszusammenarbeit und dem Österreichischen Jugend-Rotkreuz haben wir gemeinsam Lehrerfortbildungsstätten im Kosovo eingerichtet. Das ist sozusagen der Wiederaufbau von Strukturen in der Lehrerbildung, die völlig zerstört war.
"Wiener Zeitung": Wie viel Förderung erhalten Sie für Kulturkontakt und von wem werden Sie finanziell unterstützt?
Türk, Wagner: In den letzten paar Jahren sind die Subventionen stabil geblieben, die Grundsubventionen betragen 16,2 Millionen Schilling, die kommen aus der Kunstsektion des Bundesministeriums, zusätzlich versuchen wir noch einige Verträge zu schließen.
"Wiener Zeitung": Südosteuropäische Künstler/innen bekommen jährlich von Ihrer Organisation die Chance, sich um ein Gaststipendium in Wien zu bewerben. Im letzten Jahr haben sich 290 Künstler/innen beworben, doch nur 12 wurden aufgenommen. Unter welchen Kriterien findet die Ausscheidung statt?
Türk: Das Programm hat sich mittlerweile etabliert. Wir verfolgen das seit 1993, es hat einen sehr guten Ruf, und so viele Stipendienplätze gibt es ja europaweit nicht, vor allem nicht bei Programmen, die sich speziell an Südosteuropa wenden. Es ist vor allem Mundpropaganda, die zu so vielen Einreichungen führt.
Wir wählen sie auch nicht mehr alleine aus, wir arbeiten mit einer international zusammengesetzten Jury, in der Expertinnen und Experten aus Österreich, aber auch aus den Reformländern sitzen. Natürlich fließen viele Kriterien ein: Wenn sich zum Beispiel zwei Künstler bewerben und der eine in einer Großstadt lebt und bereits die Gelegenheit hatte, an internationalen Programmen teilzunehmen, und der Kollege, der aus der Provinz kommt, diese Möglichkeit noch nicht so oft hatte, wird sicher dem Kollegen aus der Provinz der Vorzug gegeben. Das Endkriterium jedoch ist die künstlerische Qualität.
"Wiener Zeitung": Wie hoch ist der prozentuelle Anteil der Ausgaben für dieses Fix-Programm in ihrem Gesamtbudget?
Türk: Ich würde sagen 5, 6 Prozent.
"Wiener Zeitung": Wie genau sieht dieses Stipendium aus? Was wird dem Künstler dabei geboten?
Türk: Manche kommen schon mit ganz fixen Projektideen, die sie umsetzen, manche lassen es auf sich zukommen und die Projekte entstehen erst hier. Am Ende gibt's eine Präsentation der hier entstandenen Arbeiten. Jeder war sehr emsig und wir mussten noch nie jemanden daran erinnern, dass es kein Urlaub ist.
"Wiener Zeitung": Welche Rolle spielt Kulturkontakt bei der Osterweiterung in 2004? Kann diese Organisation weiterhin bestehen bleiben, selbst wenn zwischen den EU-Staaten direkte Verbindungen entstehen werden?
Wagner: Die Frage der Konsequenzen, die die Osterweiterung für uns hat, die haben wir uns auch schon gestellt. Konsequenzen wird's sicher haben. Mit der Erweiterung, die sicher neue Chancen und Möglichkeiten eröffnet für die Beitrittskandidaten, wird sich das Leben der Menschen nicht von einem Tag auf den anderen ändern. Es ist sicher nicht so, dass die Förderungen für die Künstler/innen in den Ländern drastisch ansteigen werden. Es wird hier auch eine Übergangsphase geben. Das ist für den Bildungsbereich zu sehen, wo es sicherlich noch viele Reformschritte braucht, um die Bildungssysteme wirklich zu "einem modernen europäischen Standard" zu bringen. Viel haben wir, glaube ich, schon an Vorarbeit geleistet in den letzten zehn Jahren. Auch in der Region, in der wir leben, wird es interessanter sein für eine Institution aus Ungarn oder Tschechien, mit Österreich zusammenzuarbeiten, als zum Beispiel mit Frankreich oder Portugal. Hier ist sicher auch nach der Erweiterung für Kulturkontakt ein Betätigungsfeld.
Außerdem ist zu sagen, dass bei weitem der größte Anteil unserer Arbeit schon jetzt nicht in den Erweiterungsländern, sondern auch in Südosteuropa und Russland angesiedelt ist, wir werden auch die Arbeit in Moldawien und in der Ukraine verstärken.
"Wiener Zeitung": Woher kommt es, dass man so selten von Kulturkontakt und seinen Aktivitäten hört?
Türk: Das Medien-Echo ist viel besser geworden. Wir haben sicher am Anfang verabsäumt, eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu tun. Noch dazu haben damals im Kulturbereich noch sehr viele Projekte in den Reformstaaten stattgefunden, wenige davon in Österreich. Wir waren nicht hartnäckig genug. Es hat sich in den letzten Jahren nicht nur in den Medien gebessert, sondern auch was Besucherzahlen anbelangt.
Wagner: Wirklich aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit sind wir erst seit eineinhalb oder zwei Jahren. Auch Öffentlichkeitsarbeit kostet Geld, und letztendlich haben wir uns gesagt, das muss sein. Und es beginnt bereits zu wirken.
Die Bildungsprojekte finden ja fast ausschließlich in den Reformländern statt. Gehen Sie mal in diese Länder und fragen dort nach Kulturkontakt. Wir sind in der Kulturszene in Tschechien oder Albanien sehr bekannt.
Türk: Es ist auch nicht untypisch für unsere Arbeit, dass man erst im Ausland draufkommt, was wir geleistet haben.
Mehr Informationen auf der Website: http://www.kulturkontakt.or.at/ .
Das Gespräch führte Mingnan Zhao

Erschienen am: 29.08.2003

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