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09.06.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung
Kritik Ausstellung: Raus aus der Kunst!
VON ALMUTH SPIEGLER
Das Museum moderner Kunst errichtete einigen "Kurzen Karrieren" ein luftiges Memorial im Keller.

D
ass Spitzensportler ihr Ausgedinge im Management oder in der Poli tik finden, kann vorkommen. Wechselt ein erfolgreicher Maler in die Werbebranche, werden schnell die Nasen gerümpft. Der Hautgout des Sonntagskünstlers steigt auf, das immer noch gepflegte bürgerliche Ideal des Genies will verteidigt werden. Vom Nebenerwerb zum Lebenserhalt, von Taxifahren und Tellerwaschen will man auch höchstens später in den Büchern lesen, wenn das karge Künstlerlos zum Mythos verklärt wird. Aber die brennende verzehrende Berufung einfach an den Nagel hängen? Ist das denn erlaubt?

"Bestraft" werden diese Aussteiger von Kunstmarkt und Geschichte. Ihre Namen versickern in den Archiven der Galerien und in irgendwelchen Gruppen-Ausstellungs-Katalogen. Hilka Nordhausen, Karel Miller, Verena Pfisterer, Konrad Lueg, . . .

Das Wiener Museum moderner Kunst hat zehn dieser Verlorenen ausgegraben, ihnen im Untergeschoß eine feine, luftige Ausstellung gewidmet - und genau einen Trend erwischt. Denn zwei der Gezeigten, Lee Lozano und Charlotte Posenenske, erfahren international gerade eine Wiederentdeckung, etwa mit einer schicken Ausstellung im New Yorker P. S.1. Die beiden Künstlerinnen zeigen aber auch den engen Spielraum, den sich das Mumok für seine reizvolle Idee abgesteckt hat: Die Beispiele beschränken sich auf Aktivitäten in den 60er, 70er Jahren und haben einen kleinen Hang zu Künstlern aus dem Osten wie der slowenischen Gruppe "OHO" oder tschechischen Performern. Kein einziger Österreicher wurde berücksichtigt, was den Zugang vielleicht etwas spröder als notwendig macht.

Trotzdem beginnt man bald zwischen dem Stellwand-Wäldchen zu schweben, von einer Lebensgeschichte zur nächsten. Vom weltgewandten Jungkünstler Konrad Lueg (1939-1996), der mit seinem Freund Gerhard Richter Anfang der 60er Jahre noch Kunstevents mit Namen wie "Leben mit Pop - Eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus" in Möbelhäusern organisierte. Zu Charlotte Posenenske, die sich nicht damit abfinden konnte, dass Kunst die Welt nicht verändern kann, und sich ab 1968 der Soziologie verschrieb.

Die unerbittliche Konzeptkünstlerin Lee Lozano hat sich ihren Ausstieg aus der Kunstwelt in einer ihrer Handlungsanweisungen sogar selbst befohlen. Wie auch, nicht mehr mit Frauen zu sprechen, was sie angeblich bis zu ihrem Tod 1999 in Texas durchgehalten haben soll. Die Ausstiegs-Szenarien sind so vielfältig wie die Kunst, die aufgegeben wurde. So ganz lösen konnten sie sich aber nicht von ihrer Vergangenheit, sie wurden Galeristen, Kuratoren, kehrten zurück. Ein Qualitätsmerkmal? Jedenfalls hilft es, den Schritt zu akzeptieren, die Ernsthaftigkeit des verlassenen Werks glaubhaft zu machen. Die Nase bleibt ungerümpft.

Bis 1. August. Di.-So. 10-18h, Do. 10-21h.

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