Bludenz (VN-ag) Der Londoner Künstler Alexis Harding gehört zu
einer jüngeren Generation von Künstlern, die sich des Mediums
Malerei bedienen, ihre Mittel aber manipulativ und höchst
unkonventionell einsetzen. Ein Ausschnitt aus dem Schaffen der
vergangenen zwei Jahre zeigt in der Bludenzer Galerie allerArt, dass
die Auseinandersetzung mit den materiellen Werkstoffen und die
Verschiebungen daraus das eigentliche künstlerische Thema stellen.
Der Anfang des Bildfindungsprozesses, der in abstrakte Gemälde
mündet, gleicht sich dabei stets: Ölfarbe und Lack, unvereinbar,
inkompatibel in Trocknungszeiten und chemischer Zusammensetzung,
Nass in Nass aufgetragen.Was dann kommt, entwickelt sich für Harding
zwischen Zufälligkeit und Notwendigkeit. Den Widerspruch zwischen
Kontrolle und Kontingenz thematisierend, wird die Farbe über Monate
hinweg beim Trocknen beobachtet.
Zerfurchte Raster
Immer wieder zerrt, schiebt und presst der Künstler den
aufgetragenen Lackraster, sodass über die Zeit zerfurchte und
zernarbte, in feinste Fältchen und Craquelé gelegte, Oberflächen
entstehen, deren Transformationsprozess auch dann noch nicht
abgeschlossen ist, wenn die Bilder schon längst an der Wand hängen.
Kontrollierte Dynamik
Die Eigendynamik der Farbe tritt in den Bildern von Harding, die
so konnotationsreiche Titel wie " Cross" oder " Exit" tragen, über
weite Strecken an die Stelle des kontrollierten Malvorgangs.
Kontrolle ist nicht mehr als ein Illusion. Mit anderen Worten: "
You may think you control it - you don‘t" , sagt Alexis Harding und
wirft die beinahe ketzerische Frage auf, ob man von der auf den
Bildträger aufgetragenen Farbe wirklich erwarten könne, dass sie
auch dort bleibt.
Zeit wird zu einem wesentlichen Faktor, die Bilder im Verlaufe
des Trocknungsprozesses, der den Künstler zum Warten und Schauen
anhält, über die Monate zu lieb gewonnenen Freunden. Schneller geht
es im Galerieraum: Dort wachsen die Gemälde in ihrer Emotionalität
und Dynamik dem Betrachter innert kürzester Zeit ans Herz.