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| 09.11.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Der Teufel sitzt im Beichtstuhl | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Hofburg. Die Antiquitätenmesse lässt sich vom Run auf Klimt nicht beeindrucken. | ||
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W
Die Dichte der Meisterwerke, die noch am Markt zu
haben sind, wird eben immer dünner. Die Antiquitätenmessen reagieren
darauf mit der Verjüngung ihres Programms, in Wien rutscht man etwa vom
Biedermeier immer weiter hinauf Richtung klassische Moderne, sogar bis
zu jüngsten Entdeckungen - schließlich räumt bereits die Königin der
Disziplin, die TEFAF Maastricht, zeitgenössischer Kunst Jahr für Jahr
mehr Platz ein.
Welche Ordnung soll in der Antiquitätenwelt aber
schon erwartet werden, wenn in ihr sogar schon der Teufel im
Beichtstuhl Platz nehmen darf, um neckisch mit der Holz-Zunge zu
züngeln? So gesehen in Simon Weber-Ungers Wissenschaftlichem Kabinett,
das er im heuer neuen gläsernen Anbau eingerichtet hat. Die lebensgroße
Automatenfigur aus dem frühen 18. Jahrhundert ist wohl nicht nur
optisch das spektakuläre Highlight des Parcours, sondern auch vom -
leider unaussprechlichen - Preis her.
Ansonsten wirft einen hier in der imperialen
Verkaufskulisse wenig aus den gewohnten Bahnen: Auch die 38. Messe
für Kunst und Antiquitäten bietet den vorwiegend österreichischen
Besuchern wieder vorwiegend gediegenste österreichische Qualität von
Boeckl bis Walde. Bei der internationalen Ausrichtung tut man sich hier
traditionell etwas schwer, obwohl sich unter den 45 Ausstellern
durchaus Kollegen aus Deutschland und der Schweiz finden.
Wichtiger ist immer noch die Salzburger
Schwester-Messe in der Residenz während der Osterfestspiele - "dort
haben wir den Großteil unserer internationalen Sammler kennen gelernt",
bestätigt der Wiener Händler Eberhard Kohlbacher. In Wien müsse vor
allem die Qualität gesteigert werden. Trotzdem hat sich Kohlbacher mit
Partner Wienerroither einen prominenten Stand im Hauptsaal gesichert -
Highlight ist ein existenzialistisch einsamer "Bergmäher" von
Egger-Lienz um 450.000 €. Nur eine Spur teurer als die
Waldmüller-Szene eines Invaliden mit Kindern samt kaiserlichem Siegel
auf der Rückseite.
Ein bezauberndes Waldmüller-Porträt eines "Jungen
Mädchens mit Rose" (160.000 Euro) bieten auch Giese & Schweiger an,
die bereits mit einigen frisch akquirierten Walde-Sujets Erfolg hatten.
Weitere Waldmüllers finden sich bei Martin Suppan, der schon die große,
den Erben nach Felix Stransky restituierte Jagdszene Johann Mathias
Ranftls verkaufen konnte - das martialische Teil war einst für das
"Führermuseum" in Linz vorgesehen. Eine der schönsten, weil ästhetisch
geschlossensten Kojen leistet sich Patrick Kovacs: Er hat das gesamte
Boudoir von Jenny Gross aufgebaut, das die Wiener Möbelfirma "Portois
& Fix" der Schauspielerin 1903 für ihre Villa in Bad Ischl gebaut
hat.
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