Unteres Belvedere/Orangerie zeigt die Schau "Oswald Oberhuber. Die Leidenschaften des Prinzen Eugen"
Der edle Ritter als barocker Künstler
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Tier der Menagerie, gefährliches Raubtier und zugleich Symbol der
Macht: Oswald Oberhubers Löwe (2009) aus dem Prinz-Eugen-Werkkreis.
Foto: Oberhuber/Lisa Rastl
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Oswald Oberhuber sieht im Feldherren Prinz Eugen einen Künstler. Das
ist die Fortsetzung einer Aussage des Zeitgenossen Jean-Baptiste
Rousseau, der den Savoyer als "Philosoph im Kriegermantel" bezeichnet
hat.
Was Oberhuber, den zweimaligen Documentabeiträger, Mitarbeiter von
Monsignore Otto Mauer und langjährigen Rektor der Angewandten, an der
barocken Persönlichkeit interessiert, hat er in ein offenes Raumkonzept
der Orangerie gestreut: Skulpturen, Bilder, Collagen in einer teils
barocken, streng geometrischen "Ordnung der Dinge".
Aber neben der Hängung in Gruppen – auch die Beschriftung ist Teil
des Malkonzepts – weicht Oberhuber mit Schrägen ab, er zeichnet mehr
als er malt, und die Bilder sind ohne Rahmen.
Das passt zu einem, der immer aus dem Rahmen fallen wollte. Als
Lehrer, Kurator, Kunstpolitiker hatte Oberhuber nicht nur prominente
Schüler, darunter Staatspreisträgerin Brigitte Kowanz: Auch die junge
Generation fühlt sich heute noch von seinem offenen Konzept angezogen.
Denn es berücksichtigt den ständigen Wandel in der Kunst, integriert
das Scheitern, und kehrt dem alten Geniebegriff den Rücken.
Zwiespalt zwischen Fakten und Charakter
Im Belvedere macht uns Oberhuber mit der bunten Besetzung des
Hallenraums der Orangerie sehr schnell klar, dass die Fakten über eine
Person wenig über deren Charakter aussagen. Tiere der Menagerie,
Pflanzen der Orangerie, Bauvorhaben, Schlachten und Persönlichkeiten
der barocken Umgebung werden "Nebenprodukte." So nennt er seine
Einzelwerke. Stereotypen, erklärt mittels einer kultlosen Kunst.
Eigentlich kongenial.
Was bleibt vom Heros Eugenius? Wissenschaft und Sammeln zeigen die
Leidenschaften neben der hohen Kunst der Strategien in der
Kriegsführung als typisch barocke Zweiheit. Das wandelt der 1931 in
Meran geborene Künstler in malerische Kommentare einer vielstimmigen
Annäherung. Sie bleiben unheroisch, verherrlicht wird hier nichts, um
all das sichtbar zu machen, was neben der Vertreibung der Türken von
einem Kunstmäzen für uns blieb.
Der Betrachter betrachtet sich selbst
Doch Oberhuber ist klar, dass es ohne den Hinweis auf die
Kriegsmaschinerie nicht geht. So zitiert er auch Leonardo da Vincis
verloren gegangene "Anghi arischlacht" als Bewegungsmotiv zwischen
Pferden. Die Anspielung auf die Homosexualität des Prinzen und unter
den Soldaten beider Heere – schon antiker Topos zur Steigerung der
Tapferkeit vor den Feinden, um dem Geliebten zu imponieren – ist eines
der offenen Geheimnisse, die die subjektive Sicht in Direktheit
wandeln. Diese ist sonst nur im abstrakten Konzept Oberhubers zu
finden: in der Buntheit seines Farbauftrags, in der Klarheit der
Umrisslinien, in der Schlichtheit der Raumzeichen.
Der Kommentar schließt alle Beziehungen zu tagespolitischen
Fremdenphobien aus. Das Zurückwenden soll uns selbst in Frage stellen.
Es ist kein ironischer Blick auf den vielbeschworenen edlen Ritter,
sondern eher auf uns selbst und die Anregung, durch die Kunst auf die
Geschichte und ihre Widersprüche zu schauen. Auch die Bildermacht ist
dabei brüchig.
Ausstellung
Oswald Oberhuber:
Die Leidenschaften des Prinzen Eugen
Agnes Husslein-Arco (Kuratorin)
Oberes Belvedere/Orangerie
Zu sehen bis 13. September
Printausgabe vom Freitag, 29. Mai 2009
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