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Ausstellung: Schau mir in die Augen, Kleines!

04.03.2011 | 19:10 | Von stefan musil (Die Presse)

400 Jahre Kinder im Porträt: Die Ausstellung "Von Engeln und Bengeln" in der Kunsthalle Krems zeigt in einem großen Panorama, wie Kinder durch die Jahrhunderte durch von den Künstlern ins Bild gerückt wurden.

Die Kunsthalle Krems erzählt Geschichten und Geschichte. Im Mittelpunkt stehen dabei zur Abwechslung die Kinder. Und weil die nicht immer brav sind, berichtet die von Kunsthallen-Direktor Hans-Peter Wipplinger und Nicole Fritz kuratierte Ausstellung „Von Engeln und Bengeln“ anhand von Darstellungen quer durch die Kunstgeschichte, vom 16. Jahrhundert bis heute.

Mit 140 Arbeiten von 98 Künstlern und 52 Leihgebern ergibt das einen faszinierenden Kunst-Abenteuerspielplatz, auf dem zu erleben ist, wie sich das Kinderporträt durch die Zeiten gewandelt hat. Dies alles passierte entlang der jeweiligen kulturellen und soziologischen Entwicklungen. „Die bildliche Darstellung von Kindern kam relativ spät in der Kunstgeschichte auf, sieht man von einigen Beispielen aus der ägyptischen und klassischen griechischen Kunst sowie von mittelalterlichen Bildnissen ab, in denen das Kind in religiöser Ikonografie als Jesuskind in Erscheinung trat. Erst mit der Verbreitung von humanistischem Gedankengut in der Renaissance änderte sich das und es entstand ein eigenständiges Genre“, erklärt Hans-Peter Wipplinger dazu.

 

Wie kleine Erwachsene

Welcher Wert dem Kind und seinem Leben dabei in den einzelnen Epochen zukam, wann die „Kindheit“ auch als solche begriffen wurde, wie sich die Gedanken von Größen wie Rousseau, Pestalozzi, Freud und anderen auf das Verständnis für Kinder und ihre gesellschaftliche Stellung auswirkten, das lässt sich anhand der ausgewählten Kunststücke lebendig verfolgen. Erst in höfischen Porträts ab dem 15. Jahrhundert begegnen uns also autonome Kinderdarstellungen. Die Kinder wirken hier noch wie kleine Erwachsene, ausgestattet mit den Insignien ihrer Macht und in prächtige Gewänder gesteckt. Der Zweck solcher Porträts galt vor allem der Repräsentation – und nicht selten wurden sie zu Gedächtnisbildern, denn die Kindersterblichkeit war hoch. Im 16. Jahrhundert erreichte gerade einmal die Hälfte der Bevölkerung ein Alter von zehn Jahren. Daher: „Bis in die Renaissance waren Kinder wenig geschätzt beziehungsweise bedeuteten erst etwas, wenn sie als Erwachsene selbst einer Arbeit nachgehen konnten oder imstande waren, für den Fortbestand der Dynastie zu sorgen“, so Wipplinger.

Erst dank des erstarkenden Bürgertums und dessen geistiger Aufgeschlossenheit kam auch den Kindern ein höherer Stellenwert zu. Dies zeigen etwa die niederländischen Familienporträts des 16. Jahrhunderts, in denen die Kleinen endlich einen Platz bekamen. Den nächsten Schritt setzte die Aufklärung, die Kinder erstmals als entwicklungsfähige Persönlichkeiten verstand. So durfte die kleine Rebecca Watson als selbstbewusster, ernst genommener Mensch Joshua Reynolds Modell stehen. Reynolds wirkte damit wie auch Kollege Gainsborough vorbildhaft auf biedermeierliche Meister wie Daffinger, Amerling oder Waldmüller mit seinem „Porträt eines jungen Mädchens mit Rose“.

 

Von Klimt bis Picasso

Doch nicht alle Kinder hatten das Glück solcher Geborgenheit, vielen bescherte die Industrialisierung ein brutales Kinderarbeitsleben. Während Ernst und Gustav Klimt sowie Anton Romako die heile Kinderwelt der Ringstraßenzeit in ihren Porträts festhielten, zeigte Max Liebermann mit „Zwei Apfel essende Mädchen“ schonungslos die wenig glanzvolle Rückseite der Medaille. In der Moderne suchten dann Künstler wie Kokoschka und Schönberg das innere Wesen der Kinder zu erfassen und andere, wie Picasso, brachen es abstrakt, etwa im Porträt seiner Tochter Paloma.

Die Gegenwart erlaubt sich ein vielfältiges Spiel mit den Kleinen. So hinterfragen Elke Krystufek, Wolfgang Tillmans und Tobias Rehberger historische Kinderdarstellungen, während Yoshitomo Nara seine scheinheiligen Manga-Bauxerln mit subversivem Humor versieht und bei Jake und Dino Chapman und Judy Fox die Gentechnik ins maßgeschneiderte Kinderzimmer Einzug hält. Bleibt zu hoffen, dass es für alle Engel und Bengel auch in Zukunft noch etwas zu lachen gibt.


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