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KASSEL: Samstag beginnt die documenta 11

Was hier ist, das ist Gegenwartskunst

Vom 8. Juni bis zum 15. September werden mindestens 630.000 Kunstinteressierte erwartet. 450 Kunstwerke von 118 Künstlern und Künstlergruppen werden zu sehen sein und dies auf 13.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. 12,8 Millionen Euro stehen zur Verfügung, um die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst auszurichten. Die documenta zieht alle fünf Jahre für 100 Tage in der deutschen Stadt Kassel ein, um gemäß dem Kasseler Kunsthistoriker Harald Kimpel ungeniert zu behaupten: "Wir legen fest, was Gegenwartskunst heute bedeutet."

Eigentlich hat die documenta 11 schon vor einem Jahr begonnen. Denn der aus Nigeria stammende Amerikaner Okwui Enwezor, der vor vier Jahren zum Chef der bevorstehenden Kunstschau berufen worden ist, hat eine Serie von Diskussionsplattformen gestartet. Die documenta, so Enwezor, muss ihren Horizont erweitern und Kontakt mit der Welt aufnehmen. In Neu-Delhi, Lagos (Nigeria), auf der Karibik-Insel St. Lucia, in Berlin und Wien wurde über die Rahmenbedingungen des künstlerischen Schaffens diskutiert und der gesellschaftspolitische Anspruch der Weltkunstschau markiert. Das Ereignis in Kassel ist gewissermaßen die letzte von fünf mit Diskussionen und Symposien beschickten "Plattformen". Mit seinem Kuratorenteam hat Okwui Enwezor Künstler ausgewählt, die sich mit den sozialen, politischen und gesellschaftlichen Problemen aller fünf Kontinente auseinander setzen; eine Anknüpfung also an die legendäre documenta 5 von 1972, die sich der Isolierung der Kunst von Gesellschaft und Politik entgegengestellt hat.

Österreich ist auf dieser documenta nicht üppig vertreten: Die in Wien lebende Fotografin und Filmemacherin Lisl Ponger präsentiert ihre Fotoserie "Sommer in Italien. Genua, August 2001", die sich mit der Inhaftierung der VolxTheaterKarawane nach den G 8-Protesten im Vorjahr beschäftigt. Der "Typosoph" Ecke Bonk bringt die Installation "Book of Words. Random Reading". Überdies hat Bonk das puristische Logo der Kunstschau geschaffen: elf Lettern "Documenta11" ohne Zwischenraum. Bonk ist Gründer der in Niederösterreich angesiedelten "typosophischen Gesellschaft", die sich mit Grundlagen der Zeichenbildung und der Ästhetik der Information befasst. Schließlich stellt die in Wien lehrende amerikanische Konzeptkünstlerin Renee Green in einem oktogonalen Container eine multimediale Installation mit Diaprojektionen, Klängen und "Fundstücken" zu verschiedenen Themenfeldern vor.

Zur Ausstellung hat sich zudem der Wiener Aktionskünstler Robert Jelinek angesagt, der nach dem Motto "Cannabis soll in Kassel wieder Unkraut werden" 70.000 Cannabis-Samen verteilen wird. Wenn man ihn lässt .

documenta 11 Kassel, 8. Juni bis 15. September, täglich von 10 bis 20 Uhr. Tageskarte 16 Euro (ermäßigt 10), Zwei-Tageskarte 24 Euro (15), Dauerkarte 80 Euro (50). Katalog: 744 Seiten, 55 Euro; Kurzführer: 320 Seiten , 15 Euro. Unterkünfte bei Kassel Tourist Tel: 0049 / 561 / 70 77 07


OÖN vom 04.06.02 zuletzt geändert am: 03.06.02 16:01:36


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