VN Fr, 28.3.2003

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Kultur 

Künstlerische Höhenflüge

Die Arbeiten des "SilvrettAtelier 2002" sind nun ins Tal gewandert

Feldkirch (VN-ag) Als spätsommerliches Kunst-Symposium in 2000 Metern Höhe hat sich das SilvrettAtelier etabliert. Auch im vergangenen Jahr haben sich wieder acht Künstler(innen) mit der Hochgebirgs-Szenerie befasst. Eine Ausstellung im Palais Liechtenstein in Feldkirch bringt die künstlerischen Höhenflüge ins Tal.

Initiiert von den Vorarlberger Illwerken, organisiert und mitgeprägt vom Montafoner Künstler und Projektleiter Roland Haas, öffnete sich das SilvrettAtelier 2002 mit der Teilnahme einer kanadischen Künstlerin und einem finnischen Bildhauer erstmals auch international.

Über den bloßen Künstleraustausch hinausgehend, spiegelt sich diese stärkere Vernetzung auch in der Durchdringung der Werke in der aktuellen Schau, wo acht Künstler(innen) in unterschiedlichen Medien und Projekten ihren ganz persönlichen Beitrag zum Thema Berg liefern.

Stein-Piercing

Eine eigenständige Auseinandersetzung jenseits von Klischees und Postkartenidylle, die sich in sensiblen Eingriffen, wo die Allgegenwart und Allmacht der Natur nachhaltig spürbar wird, niederschlägt.

Mit der vielgestaltigen Oberfläche der Steine spielen die Arbeiten von Tom Engblom und Birgit Bachmann. Interpretiert der Finne die Oberfläche als Haut, die er mit Piercings u. a. "gewaltsamen Verzierungen" akzentuiert und in einer Fotocollage dokumentiert, so be-greift Bachmann den Stein mit ihren Händen in großformatigen Steinschliffen, die sie in Frottage-Technik direkt vor Ort abnimmt.

Nichts als Aura

In den extremen fotografischen Nahaufnahmen von Astrid Bechtold, im blauen Licht der Abenddämmerung, lösen sich Konturen auf, bis von den Dingen nur mehr ihre Aura als Abbild übrig bleibt. Daneben entsteht auch eine feine, atmosphärische Malerei, die ein schönes Wechselspiel mit den Fotos eingeht.

Geologische und organische Strukturen waren auch der Ausgangspunkt für Armin Klein. Während seine auf transparentem, beidseitig kommunizierendem Plexiglas netzartig verdichteten Pinselstriche Fragen nach den Möglichkeiten des Mediums Malerei aufwerfen, verfremdet Roland Haas das klassische Piz-Buin-Motiv.

Sammeltassen

In den kleinformatigen Sequenzen entsteht durch serielle Aneinanderreihung eine Art Muster, während andererseits in einem von übersteigertem Türkisblau dominierten Triptychon, als Pleinairmalerei, durch Beschneiden des charakteristischen Motivs eine Ausrichtung auf die Details erfolgt. Die kanadische Künstlerin Diana Lynn Thompson dagegen arbeitet in guter alter Landart-Manier mit natürlichen Materialien, um die Natur nicht zu verletzen.

Fundstücke

"Mäander" schlängelt sich in Anlehnung an die Bergstraße auf die Silvretta und unter Bezugnahme auf das kanalisierte Wasser durch das Tal, um dereinst wieder Teil der Natur zu werden. Mit veritablem Material und zwischen dokumentarisch und sinnlich changierender Manier arbeitet auch der Feldkircher Künstler Alfred Graf. Erwanderte Fundstücke, "erstarrte" Bilder und in Wachs geronnene Konzentrate fangen die Landschaft faszinierend ein.

Karg und doch reich präsentiert sich die hochalpine Flora bei Lies Bielowski. Ihre witzige Tassenserie aus Moosen, Farnen und Gräsern reflektiert vieldeutig das Aufeinandertreffen von Tourismus, Natur und Technik anhand der Tradition der Sammeltassen.

Natur wird zu Kunst. (Foto: Grabher)




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