Feldkirch (VN-ag) Als
spätsommerliches Kunst-Symposium in 2000 Metern Höhe hat sich das
SilvrettAtelier etabliert. Auch im vergangenen Jahr haben sich
wieder acht Künstler(innen) mit der Hochgebirgs-Szenerie befasst.
Eine Ausstellung im Palais Liechtenstein in Feldkirch bringt die
künstlerischen Höhenflüge ins Tal.
Initiiert von den Vorarlberger Illwerken, organisiert
und mitgeprägt vom Montafoner Künstler und Projektleiter Roland
Haas, öffnete sich das SilvrettAtelier 2002 mit der Teilnahme einer
kanadischen Künstlerin und einem finnischen Bildhauer erstmals auch
international.
Über den bloßen Künstleraustausch hinausgehend, spiegelt sich
diese stärkere Vernetzung auch in der Durchdringung der Werke in der
aktuellen Schau, wo acht Künstler(innen) in unterschiedlichen Medien
und Projekten ihren ganz persönlichen Beitrag zum Thema Berg
liefern.
Stein-Piercing
Eine eigenständige Auseinandersetzung jenseits von
Klischees und Postkartenidylle, die sich in sensiblen Eingriffen, wo
die Allgegenwart und Allmacht der Natur nachhaltig spürbar wird,
niederschlägt.
Mit der vielgestaltigen Oberfläche der Steine spielen die
Arbeiten von Tom Engblom und Birgit Bachmann. Interpretiert der
Finne die Oberfläche als Haut, die er mit Piercings u. a.
"gewaltsamen Verzierungen" akzentuiert und in einer Fotocollage
dokumentiert, so be-greift Bachmann den Stein mit ihren Händen in
großformatigen Steinschliffen, die sie in Frottage-Technik direkt
vor Ort abnimmt.
Nichts als Aura
In den extremen fotografischen Nahaufnahmen von Astrid
Bechtold, im blauen Licht der Abenddämmerung, lösen sich Konturen
auf, bis von den Dingen nur mehr ihre Aura als Abbild übrig bleibt.
Daneben entsteht auch eine feine, atmosphärische Malerei, die ein
schönes Wechselspiel mit den Fotos eingeht.
Geologische und organische Strukturen waren auch der
Ausgangspunkt für Armin Klein. Während seine auf transparentem,
beidseitig kommunizierendem Plexiglas netzartig verdichteten
Pinselstriche Fragen nach den Möglichkeiten des Mediums Malerei
aufwerfen, verfremdet Roland Haas das klassische Piz-Buin-Motiv.
Sammeltassen
In den kleinformatigen Sequenzen entsteht durch serielle
Aneinanderreihung eine Art Muster, während andererseits in einem von
übersteigertem Türkisblau dominierten Triptychon, als
Pleinairmalerei, durch Beschneiden des charakteristischen Motivs
eine Ausrichtung auf die Details erfolgt. Die kanadische Künstlerin
Diana Lynn Thompson dagegen arbeitet in guter alter Landart-Manier
mit natürlichen Materialien, um die Natur nicht zu verletzen.
Fundstücke
"Mäander" schlängelt sich in Anlehnung an die Bergstraße
auf die Silvretta und unter Bezugnahme auf das kanalisierte Wasser
durch das Tal, um dereinst wieder Teil der Natur zu werden. Mit
veritablem Material und zwischen dokumentarisch und sinnlich
changierender Manier arbeitet auch der Feldkircher Künstler Alfred
Graf. Erwanderte Fundstücke, "erstarrte" Bilder und in Wachs
geronnene Konzentrate fangen die Landschaft faszinierend ein.
Karg und doch reich präsentiert sich die hochalpine Flora bei
Lies Bielowski. Ihre witzige Tassenserie aus Moosen, Farnen und
Gräsern reflektiert vieldeutig das Aufeinandertreffen von Tourismus,
Natur und Technik anhand der Tradition der Sammeltassen.
Natur wird zu Kunst. (Foto: Grabher)