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Kritische Fragen zu Kunst der NS-Zeit

Kunstaktion. Salzburger Studierende stellen Fragen zu Skulpturen von Josef Thorak, Fritz Klimsch, Rudolf Alexander Agricola und Max Rieder.

Hedwig Kainberger Salzburg-Stadt (SN). „Ich ziehe meinen Hut vor den Studierenden“, sagte der Rektor der Universität Mozarteum, Reinhart von Gutzeit, Mittwochmittag im Kurgarten zum Auftakt der Kunstaktion „Abgestellt?“.

Für dieses Projekt haben Studierende der Universität Mozarteum und der Paris-Lodron-Universität ein Wintersemester lang sich mit jenen Künstlern beschäftigt, die in der Zeit des Nationalsozialismus tätig waren und deren Skulpturen heute im öffentlichen Raum Salzburgs stehen.

Dazu gehören „Kopernikus“ (der übrigens derzeit ein Hakenkreuz-Band an den Oberarm bekommen hat) und „Paracelsus“ von Josef Thorak im Kurpark, „Amazone“ von Rudolf Alexander Agricola sowie eine Skulptur von Fritz Klimsch im Park des Landeskrankenhauses. Diese Künstler waren in der Zeit des Nationalsozialismus hoch angesehen, Josef Thorak und Fritz Klimsch galten als „gottbegnadet“.

Die Studierenden haben kleine Artefakte hergestellt, wie ein Topflappen – als Zeichen für Dinge, an denen man sich die Finger verbrennen kann – mit Abbildern von fragwürdigen Skulpturen (gestaltet von Nicolette Hibler), eine Postkarte, Plakate mit Porträts von „Turnvater“ Jahn sowie eine Liste für Unterschriften für eine Umbenennung der Josef-Thorak-Straße. Wer mag, kann bei den Kunstaktionen – die zweite findet heute, Donnerstag, im Kurpark und im Park des Landeskrankenhauses statt – solche Erinnerungsstücke mitnehmen oder mit den Studierenden über das diskutieren, was sie über Kunst in Salzburg aus der NS-Zeit herausgefunden haben.

Müsse nicht endlich – fast 66 Jahre nach Kriegsende – Schluss sein mit dem Aufarbeiten der Nazizeit und der Schuldfrage? Dies sei zu verneinen, sagte Reinhart von Gutzeit vor den rund fünfzig ersten Teilnehmern der Kunstaktion, darunter Marko Feingold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Immer wieder erstaune ihn, wie wenig junge Menschen über die NS-Zeit wüssten, nicht einmal Namen und Fakten kennten, sagte Gutzeit. Außerdem gehe es nicht primär um Schuld, sondern um das, „was wir aus dem lernen, was wir rückblickend feststellen“.

Auch dürfe eine solche Aktion nicht auf der Behauptung basieren: „Mir wäre das nie passiert“, erläuterte der Rektor. Vielmehr biete sie die Chance, sich zu wappnen und zu erwägen, wie man sich selbst einer ähnlichen Situation stellte.

Vielleicht würden auch wir von der nächsten Generation empört gefragt: „Habt ihr das nicht gewusst? Warum habt ihr nichts unternommen?“ Und was, fragte der Rektor, würden wir sagen, wenn mit dieser Frage die friedliche Nutzung der Atomkraft gemeint sein sollte?Kunstaktion: Heute, Donnerstag, Kurpark/Mirabellgarten, 12–18 Uhr; Park Landeskrankenh., 13–14 Uhr. Podiumsdiskussion: „Nazikunst“, Dienstag, 5. April, 18.30 Uhr, „Igel“ auf dem Mozartplatz.

Thema / 31.03.2011 31.03.2011 / Print

 
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