Militante Kunst

Einen historischen Bogen von der Pariser Commune über die Hausbesetzerszene bis zu den Globalisierungs-
gegnern spannt die Generali-Ausstellung.


Die Ausstellung "Gewalt ist der Rand aller Dinge" setzt historisch an mit Fotografien der Pariser Commune 1871 und sie stellt auch programmatisch die Bildstatistiken von Gerd Arntz an den Anfang, der zu Beginn der 30er Jahre von Otto Neurath zur Mitarbeit an der "Wiener Methode der Bildstatistik" eingeladen worden war.

Gerd Arntz, Kompensation, 1938 / ©Bild: Generali Foundation
Gerd Arntz, Kompensation, 1938 / ©Bild: Generali Foundation

Zeichen des Leids

Von hier kann eine Spur zu Gerard Fromanger gezogen werden oder eine ganz andere zur Grupo de Arte Callejero aus Argentinien, welche die Tragödie des Landes in Straßenverkehrszeichen erzählt, aber auch zu den Comics von Seth Tobocman über die Kämpfe urbaner Quartiersbewohner gegen die Häuserspekulation.

Gérard Fromanger, La mort de Caius  Gracchus, 1975 / ©Bild: Generali Foundation
Gérard Fromanger, La mort de Caius Gracchus, 1975 / ©Bild: Generali Foundation

Aktualisierungen

Thomas Kilpper etwa zeichnet subjektive Städtpläne bzw. Stadtporträts, während Dierk Schmidt klassische Fragen der bürgerlichen Kunst neu formuliert und die "Freiheit" von Delacroix und Gericaults "Floß der Medusa" in aktualisierten Sujets darstellt: mit Hilfe eines Nike-Werbeclips der brasilianischen Fußballmannschaft und der Darstellung eines überladenen, havarierten Flüchtlingsschiffs.

Charlotte Posenenske, Vierkantrohre, 1976 / ©Bild: Generali Foundation
Charlotte Posenenske, Vierkantrohre, 1976 / ©Bild: Generali Foundation

Unpolitische Kunst?

Eine Antithese zu dieser Ausstellung ist eine Installation der 1985 verstorbenen Künstlerin Charlotte Posensenske. Im turbulenten Jahr 1968 wurde sie durch die Einstellung ihrer künstlerischen Arbeit aus poltischen Gründen berühmt. Politik muss eindeutige Aussagen machen, so ihre Überzeugung, gute Kunst hingegen sei zwangsläufig mehrdeutig. Kunst, so ihr Schluss, lässt sich daher nicht politisieren.

Link: Generali Foundation

Radio &sterreich 1