Bregenz (VN-cd) Im nächsten Jahr übernimmt Werner Grabher, Leiter
der Kulturabteilung im Amt der Vorarlberger Landesregierung, den
Vorsitz in der Kommission Kultur der Internationalen
Bodenseekonferenz (IBK).
VN: Herr Dr. Grabher, inwieweit gibt es die Möglichkeit, in
diesem Gremium wirklich gestaltend zu wirken?
Grabher: Ich sehe das auf zwei Ebenen, einmal gibt es die an die
Organisationsform gebundene Geschichte mit den Fördergaben. Auf der
anderen Seite stellt sich die Frage, inwieweit in den Ländern der
Aufbau eines wirksamen Netzwerkes für Kultur möglich ist.
VN: Und auf beiden Ebenen kann die IBK konkret etwas bewirken?
Grabher: Allein schon durch die Festlegung, für welche Sparte die
Fördergaben vergeben werden, ist das möglich. Auf meinen Vorschlag
hin ist vor einiger Zeit der Preis für Tanz ausgeschrieben worden,
heuer war es die zeitgenössische Musik. Im nächsten Jahr kommt der
Film. Das ist auch noch nie da gewesen. In der Kultur ist es zudem
so, dass wir viel Aktion haben, aber zu wenig Reflexion und
Vernetzung. Netzwerke bedeuten Beziehungskapital neben dem
Wissenskapital. Da können wir einiges bewegen.
VN: Wie läuft die Arbeit
überhaupt ab?
Grabher: Es gibt drei Sitzungen pro Jahr, aber man trifft sich
auch sonst.
VN: Ist der Kulturbegriff,
der dabei zum Tragen
kommt, eigentlich der Zeit entsprechend und ist die
Bodenseeregion gemessen am notwendigen Bewegungsraum eines Künstlers
nicht doch sehr klein?
Grabher: Das haben die Kulturverantwortlichen, mit denen ich zu
tun habe, längst begriffen. Internationalisierung muss aber nicht
nur in Übersee passieren. Als Steigbügelfunktion können wir für
einzelne Künstler und Gruppierungen aber durchaus interessant sein.
Ein gutes Beispiel ist etwa die Ausstellung "Heimspiel" in St.
Gallen, bei der nun erstmals auch bildende Künstler aus Vorarlberg
dabei sind.
Der Internationalen Bodenseekonferenz gehören Baden-Württemberg,
Bayern, Schaffhausen, Zürich, Thurgau, St. Gallen, Appenzell
Innerrhoden und Außerrhoden, Liechtenstein und Vorarlberg an. Die
IBK hat sich zum Ziel gesetzt, die Bodenseeregion als attraktiven
Lebens-, Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum zu erhalten und zu
fördern und die regionale Zusammengehörigkeit zu stärken.
Internet: www.boden seekonferenz.org