Klosterneuburg - Eine Jahrhundert-Ausstellung im wahrsten Sinn des Wortes wird heute von Bundespräsident Heinz Fischer in der Sammlung Essl (Klosterneuburg) eröffnet. Die von Wieland Schmied und Silvie Aigner kuratierte Schau "Österreich: 1900 - 2000 / Konfrontationen und Kontinuitäten" zeigt bis 21. Mai auf 3.200 Quadratmetern 270 Werke von 111 Künstlerinnen und Künstlern.
"Schlüsselerlebnis"
Beim Pressegespräch erläuterte Sammler Karlheinz Essl die aus dem "Schlüsselerlebnis Jahrtausendwende" erwachsene Motivation, in einer Überblicksausstellung einen "neuen Blick" auf die österreichische Kunst seit 1900 zu wagen. Wieland Schmied unterstrich in seinen Ausführungen den Reichtum, die Vielfalt und auch Widersprüchlichkeit in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Österreich habe in diesem Zeitraum zu den führenden Kulturnationen gezählt. Dieser Tatsache brauche man sich "nicht zu schämen", man solle das auch "nicht kleinreden", so Schmied.
Während die Arbeiten bis 1945 im Wesentlichen aus dem Besitz öffentlicher und privater Leihgeber aus Österreich, Deutschland und der Schweiz stammen, kommt der überwiegende Teil der späteren Arbeiten aus dem Fundus der Sammlung Essl. Aus den großen Wiener Museen wurden ganz bewusst nur wenige Werke entlehnt.
Verbindung
Zum Themenbereich "Kontinuitäten" reicht die vom Expressiven ins Abstrakte führende Linie von Richard Gerstl über Herbert Boeckl bis Josef Mikl. Eine andere Verbindung geht von den figuralen Posen Egon Schieles bis zur aktuellen Körperkunst. Persönliche Rivalitäten (Kokoschka versus Oppenheimer) oder stilistische Divergenzen (Gruppe um Otto Mauer versus Phantastische Realisten) veranschaulichen die "Konfrontationen".
Den jüngsten zeitgenössischen Entwicklungen in Österreich widmet sich Kuratorin Silvie Aigner im Großen Saal der Sammlung. In der Rotunde hat der Komponist Karlheinz Essl eine Klanginstallation zur Fotodokumentation des Wiener Aktionismus geschaffen. (APA)