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| 16.03.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Ausstellung: Schnee von gestern | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Das Leopold Museum inszeniert den lokalen Triumph und internationalen Fall von Alfons Walde. | ||
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Keiner schaffte es wie er, Österreichs stärkste
Touristen-Droge visuell derart nachhaltig zu verabreichen, dicke
Schneedecken derart spürbar übers sentimentale Gemüt zu breiten. 1891 in
den Kitzbüheler Winter regelrecht hineingeboren, gibt Schneekanone Alfons
Walde bis heute den Standard vor, wie sein Ursprungselement in Perfektion
zu changieren hat: Mit mal nervösen, mal gedehnteren Strichen wirbelte er
Ölfarbe in Creme, Weiß, Gelb, Ocker, Rosa, Violett und Tiefblau pastos
ineinander, zumeist auf Karton, seltener auf Holz oder Leinwand. Spätestens seit der Walde-Retrospektive in Tulln vor fünf
Jahren weiß man diese einzigartige Nischen-Leistung auch kunsthistorisch
zu schätzen, fernab vom Walde-Klischee des rustikalen
Ferienchalet-Dekorateurs. Und in gnädiger Ignoranz seiner erst in letzter
Zeit zuhauf auftauchenden manierierten modischen Akte. Im Leopold Museum
zeigt jetzt der Walde-Monograf und Ex-Direktor des Ferdinandeums, Gert
Amann, den fröhlichen Genremaler ausführlich mit 130 Werken, bis hin zu
seinen weniger bekannten Architekturen wie die Berg- und Talstation der
Hahnenkamm-Bahn. Vor allem aber wird versucht, Walde im Verbund seiner
Tiroler Zeitgenossen zu verorten. Dabei lässt man ihn Arthur Nikodem,
Oskar Mulley oder Max von Esterle allerdings etwas zu linkshändig
überstrahlen. Und gerade ein Vergleich auf Augenhöhe mit dem stärksten
Konkurrenten, Albin Egger-Lienz, wird vermieden. Dabei wäre eine
Konfrontation von Walde, Egger-Lienz und deren Schweizer Vorläufer
Ferdinand Hodler allemal eine eigene Ausstellung wert. Dafür scheut man sich im Leopold Museum nicht, den 1958
gestorbenen Unterländer, der vor dem Ersten Weltkrieg in Wien Technik
studierte und dort mit der Secession in Berührung kam, in der
Gegenüberstellung seines etwas ungelenken Schiele-Porträts von 1914 mit
einem Selbstbildnis des Meisters himself richtiggehend bloßzustellen:
Eindeutig erkennt man Waldes eigene Züge in denen seines Bekannten.
Schon zu Lebzeiten aufgrund der Souvenir-Lust des vor
allem englischen Kitzbühel-Jetsets erfolgreich, erfuhr Walde in den
letzten Jahren auch am Kunstmarkt eine Renaissance: Bei Hassfurther wurde
2003 ein "Aufstieg der Skifahrer" um rund eine halbe Million €
versteigert. Ansonsten rangieren seine Sujets, die er wie das "Auracher
Kircherl" bei besonderer Nachfrage bis zu 30 Mal wiederholte, um die
100.000, 150.000 €. |
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