Wien - Ästhetik und soziales Engagement zu vereinen, ist das Anliegen der Non-Profit Organisation "S2Arch", die ab morgen, Donnerstag, neun Architekturprojekte aus Johannesburg im Architekturzentrum Wien (Az W) präsentiert. "Bottom up. Bauen für eine bessere Welt" stellt im "Jardin d'hiver", einem improvisierten Wintergarten in den Räumlichkeiten des Az W, von Architekturstudenten realisierte Sozialbauten in Südafrika vor. Präsentiert wurden die Projekte - vom beeindruckenden Behindertenheim im Township bis zu einem Kindergarten nahe einer südafrikanischen Molkereifabrik - von Kurator Johannes Porsch am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.
"Jo'burg Now!"
Soziales Bauen gehört im Az W mittlerweile zum fixen Programm. Bereits vor drei Jahren hatte die TU Wien ein studentisches Projekt in "Orange Farm", Johannesburg, realisiert, das anschließend in der Ausstellung "Jo'burg Now!" im Az W dokumentiert wurde. Angeregt wurde die Auseinandersetzung von der Schau "Just build it" im Jahr 2003, die das weltweit anerkannte "Rural Studio" von Samuel Mockbee in Alabama erstmals in Europa zeigte. 2005 folgte die Präsentation eines Studentenprojekts mit der Ausstellung "Das Dach (in Mexico)".
Nun will das Az W der weiteren Entwicklung dieser Bewegung Rechnung tragen, wie Direktor Dietmar Steiner, der bei der Pressekonferenz nicht anwesend sein konnte, im Pressetext erklärt. Gezeigt werden neun bisher realisierte Projekte der Architekturfakultäten der technischen Universitäten Innsbruck, Graz und Wien, der RWTH Aachen, des Instituts für Raum und Design der Kunstuniversität Linz sowie der Fachhochschule Kuchl. Entstanden sind die Gebäude zwischen 2004 und 2006 in Townships in der Umgebung von Johannesburg. Die Studenten verbrachten jeweils einige Wochen vor Ort, um ihre Pläne in die Tat umzusetzen.
"Build together, learn together"
Christoph Chorherr, Grüner Gemeinderat in Wien und Gründer von "S2Arch", will mit der Ausstellung in Wien laufende Debatten weiter führen: So steht etwa zur Diskussion, welche Aufgabe Architektur heute in den am stärksten wachsenden Teilen der Welt übernimmt. Ganz nach dem Motto "build together, learn together" ("gemeinsam bauen, gemeinsam lernen") will Chorherr klar zeigen, dass es "hier nicht um bloße Entwicklungshilfe geht, sondern wir wollen Unmögliches möglich machen. Etwa in sieben Wochen einen Kindergarten zu errichten."
Auch das gängige Afrika-Bild wolle er verbessern, das durch die tägliche Berichterstattung in den Medien stark verzerrt würde. Ein weiteres Anliegen von "S2Arch" ist es auch, nachhaltig zu bauen: Der Schwerpunkt der realisierten Bauten, die gemeinsam mit Einheimischen errichtet werden, liegt auf Integrationseinrichtungen wie Schulen, Bibliotheken oder Ambulanzen und Behinderteneinrichtungen.
Den Rahmen für die Präsentation bildet der "Jardin d'hiver", der die "Blickrichtung, die sich aus der privilegierten Position europäischer Hochschulen auf die Orte des Gebauten" richtet, so Johannes Porsch, Kurator und Projektinitiator. Von 17. bis 19. November bietet der 14. Wiener Architektur-Kongress die Möglichkeit, sich näher mit dem sozialen Aspekt der Architektur und den vielschichtigen und interdisziplinären Anforderungen auseinander zu setzen. (APA)