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| 17.11.2006 - Kultur&Medien / Kommentare | ||||
| Kunstlicht: Der vorletzte Schrei | ||||
| ALMUTH SPIEGLER | ||||
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Früher
hatte ein anständiger Künstler auch in einer anständigen Band zu
spielen. Doch leidenschaftlicher als den Pop umarmt die Kunst zur Zeit
die Mode. Und umgekehrt. Das Designer-Duo "Viktor & Rolf" etwa, das
seinen konzeptuellen Namen gerade einer biederen Winter-Kollektion von
"Hasi & Mausi" opferte, inszeniert sich schon plagiatsverdächtig
ähnlich zwillingshaft wie das britische Künstler-Paar "Gilbert &
George". Und wer sich diese Weihnachten über die glänzenden
"Golden Eyes" in den Louis-Vuitton-Schaufenstern freut - Dekorateur war
der nordische Superstar Olafur Eliasson, der das alles natürlich nur
für seine Äthiopien-Charity getan hat - was zumindest
Weltfriedenspathetiker Peter Sellars versöhnlich stimmen könnte. Die Luxusmarke scheint überhaupt ein attraktives
Kunstdisplay: Vanessa Beecroft lässt ihre nackten Models mittlerweile
gerne in Vuitton-Flagship-Stores frieren. Und Japans "Flat-art"-Meister
Murakami entwarf für den Konzern eine eigene Taschenkollektion. Wie es
die einst wilde "Young British Artist" Tracey Emin unlängst für
"Longchamp" tat. Wer dafür dann den "Hugo Boss"-Preis oder den "Diesel
New Art"-Wettbewerb gewinnt, gilt längst nicht mehr als gekauft. Um auf Kunstmessen modisch aufrecht gehen zu können,
hat man sich trotz all dieser Konkurrenz aber immer noch in Prada oder
Marc Jacobs zu werfen. Das Ensemble ist perfekt, wenn hinter einem ein
Foto von Kate Moss zu hängen kommt, aufgenommen von Modefotograf Jürgen
Teller, dem Mann von Sadie Coles, einer der wichtigsten Londoner
Galeristinnen. Überhaupt London: In der jungen "Frieze-Art-Fair"
vollzogen die beiden ästhetischen Avantgarden endgültig ihre Symbiose,
hier wird die Kunstmesse zum Catwalk der Trendsetter, auf dem Claudia
Schiffer noch schnell Hedi Slimane abbusselt, bevor der Dior-Designer,
der den Stil von Moss-Mann und Drogen-Sänger Pete Doherty prägte, bei
der Galerie Rech vorbeischaut, ob einer seiner schwarzen Spiegel schon
verkauft wurde. Immer narzisstischer suhlt sich die Kunst im
modischen Hochglanz. Nur vergisst sie dabei immer öfter, es wenigstens
als trojanisches Schweinchen zu tun, wie Pop-Ekel Jeff Koons es einst
perfekt zu zelebrieren verstand. Wir werden auch das überleben.
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