Lob für die Frau Minister! Hochachtung für Claudia Schmied! Sofort nach der Bekanntgabe ihrer Entscheidung, Dominique Meyer und Franz Welser-Möst als Führungsduo der Staatsoper zu bestellen, war Claudia Schmied am Sonntag in die ORF-Pressestunde eingeladen, dem folgte am Dienstagabend ein Beitrag im Polit-Journal "Report".
Immer wieder wird gefragt: Wie hat sie das gemacht? Wie kann eine in die Politik quer eingestiegene Bankmanagerin einen in der SPÖ tief verwurzelten Bundeskanzler ausbooten? Wie kann eine Frau, die eigenem Geständnis zufolge nicht gerne tanzt, sondern lieber sachlich arbeitet, einem Mann, der auf ein Gartenfest toute Vienne einlädt und dort einen Tenor singen lässt, die Entscheidung ausreden, eben diesen Tenor zum Staatsoperndirektor zu machen? Jetzt wollen wir das Lob über die Findung der Operndirek- tion nicht schmälern. Denn Claudia Schmied hat die Lösung dieser Aufgabe auf die Schiene von Sachlichkeit und Rechtsstaatlichkeit zurückgeführt. Und sie hat die SPÖ vor der Reputation einer Freunderlwirtschaftspartei bewahrt.
Doch wir erlauben uns, daran zu erinnern, dass bisherige kulturpolitische Taten Claudia Schmieds nicht so ertragreich waren, dass sich eine Fernsehdiskussion ausgezahlt hätte.
In den Budgetverhandlungen hat sie nichts erreicht. Das Kunst- und Kulturbudget für 2007 bleibt eingefroren, für 2008 sind zwar für Bundestheater und -museen erstmals seit vielen Jahren wieder Subventionserhöhungen vorgesehen, doch unter dem Strich bleibt für anderes nicht viel. Das sind also neuerlich zwei karge Jahre, wie sie aus der Amtszeit von ÖVP-Staatssekretär Franz Morak hinlänglich bekannt sind.
Dann hat Claudia Schmied nicht verhindert, dass die Kunstsektion aus dem Bundeskanzleramt ausquartiert wird, obwohl die 70 Beamten erst vor knapp einem Jahr wegen der so praktischen Nähe zu jenem Ministerium eingesiedelt sind, wo nun Claudia Schmied residiert. Aber Bundeskanzler Alfred Gusenbauer befand, die Räume seien für das neue Frauenministerium besser geeignet. Zudem wird noch auf Kompetenzbeweise der von Schmied bestellten neuen Leiterin der Kunstsektion gewartet.
Das Amt einer Ministerin für Bildung, Kunst und Kultur ist ein schwieriges. Und bravourös ist, wie Claudia Schmied die Staatsopernbesetzung durchgebracht hat. Mögen viele solche Taten folgen!
Doch noch ist es verfrüht, ihr einen Heiligenschein in Sachen Kulturpolitik aufzusetzen.





