Vor lauter Peinlichkeit fällt es fast schwer hinzusehen. Die ungelenke Art, mit der die ältere Frau im Video ihren Körper sexy zu bewegen versucht, berührt unangenehm. Ihren Striptease führt sie vor einer Birkenwald-Tapete auf, was ihre „Ländlichkeit“ noch unterstreicht. Leicht könnte man die kommentierenden Untertitel übersehen: Es handelt sich um das „Manifest der Lust“ der Futuristin Valentine de Saint-Point (1913), sie preist darin die Sinnlichkeit als Lebenstrieb, als Voraussetzung von Kreativität.
Das Striptease-Video des Künstlerinnenduos Anetta Mona Chi?a und Lucia Tká?ová nennt sich „Monument to Yesterday“. Soll der Titel signalisieren, dass der weibliche Kampf um selbstbestimmte Lust gestrig ist? Der Galeristin Christine König gefällt die „postfeministische Freiheit“, die die aus Prag und Pressburg stammenden Künstlerinnen genießen – jenseits des Streits um Formen der Selbstermächtigung in der früheren Frauenbewegung. Dennoch bleibt das Video ambivalent. Die Darstellerin wurde per Inserat gefunden und für den Strip bezahlt. Handelt sie aus freiem Stolz auf ihren Körper, oder „verkauft“ sie sich aus finanzieller Not?
Der Körper und die kulturellen Zwänge, denen er unterliegt, werden auch im witzigen Video „Hallelujah Diet“ behandelt: Eine Bäuerin liest zehn von der Bibel inspirierte Schlankheitsgebote vor, christliche Leibfeindlichkeit fügt sich zu modernem Körperwahn.
Blondinenwitze werden Haikus
Die Reduktion von Frauen auf Äußerlichkeiten dekonstruiert die Serie „Haiku“: Blondinenwitze wurden via ein Übersetzungsprogramm ins Japanische und zurück ins Englische gejagt. Die misogynen Pointen sind verschwunden, es bleiben fast poetische Dreizeiler.
Die Schau nennt sich „Footnotes to Business, Footnotes to Pleasure“, wobei das Geschäft keinesfalls zu kurz kommt. Im ironischen Video „How to make a revolution“ notiert eine offenbar osteuropäische Künstlerin ihre Karrierestrategien (z.B. „Marry an important curator“). Wie sich der Exotenbonus einer osteuropäischen Herkunft künstlerisch am besten ausnützen lässt, nimmt die Textarbeit „The Trivial Few“ aufs Korn – anhand einer soziologischen Theorie über ungerechte Verteilung: 20Prozent der Bevölkerung besitzen 80 Prozent. Chi?a/Tká?ová legen das voller Selbstironie auf die Chancen von (Ost-)Künstlerinnen um. Besonders gelungen die Liste mit Motiven, die 80% des westlichen Publikums von Ost-Kunst erwarten: Hammer und Sichel, monströse sozialistische Architektur, bizarre Ausformungen von Armut.
Ein Sackerl auf dem Boden enthält heidelbeergleiche, schwarze Kügelchen: 22.591 Tonkugeln für alle Punkte in Karl Marx' Hauptwerk. Ein gelungener Kommentar auf Kunst als anachronistische Handarbeit. (Bis 7.März, Schleifmühlgasse 1A, Wien 4).
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