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| Ein Mann, ein Auge: Das Leopold-Museum in Wien ist fertig |
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Am Samstag öffnet sich für das Publikum ein staatliches Privatmuseum, die Haupt-Attraktion des neuen Wiener Museumsquartiers: das Leopold-Museum, spezialisiert auf österreichische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts mit Klimt, Schiele, Gerstl, Egger-Lienz als Hauptmeistern. VON HANS HAIDER Helle Kalkstein-Fassaden fügen sich unaufdringlich ins Höfe-Ensemble im neuen Wiener "Museumsquartier". 5400 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 600 Gemälde, 400 Graphiken, 3000 kunstgewerbliche Gegenstände in der Eröffnungsausstellung. Bis auf wenige Lücken waren die Bilder am Donnerstag zur ersten Pressebesichtigung gehängt. Fast alle Rahmen bekamen (beinahe) spiegelungsfreie Glasscheiben verpaßt. 4000 Kunstwerke lagern im Kellerdepot. Was überrascht, was stört beim ersten Durchgehen? Die mehrmals schon auf Auslandstourneen ausgestellten Hauptmeister Schiele, Klimt, Gerstl und Egger-Lienz haben zentrale Säle bekommen - Schiele unter Dach mit, wenigstens an Sonnentagen ausreichendem, Oberlicht, Klimt und Gerstl hoch über Bodenniveau im "Erdgeschoß", Egger-Lienz im zweiten Obergeschoß. Doch diese dominierenden Epochenamen lassen den vielen anderen, oft nur Kunsthändlern und -sammlern bekannten Kollegen ausreichend Atemluft. Zwischenkriegszeit Zwischen berühmten Ikonen der Moderne, "Tod und Leben" von Klimt unten und den "Eremiten" von Schiele oben, ist im neuen Haus ausgebreitet, was man grosso modo "Kunst Zwischenkriegszeit" nennt, deren langlebige Meister aber bis tief in die zweite Jahrhunderthälfte herein malten. Wie Herbert Boeckl, Josef Dobrowsky, Alfred Wickenburg, Hans Böhler, Gustav Hessing (beide haben einen ganzen Saal!), Leopold Birstinger, Robin Christian Andersen, Otto Rudolf Schatz, Franz Lerch, Sergius Pauser . . . und gleich fällt in der Liste auf, daß Carry Hauser, Max Weiler fehlen. Hineingemischt ins ältere Milieu sind Nachbarn wie der Passauer Wörle und Zeitgenossen wie Oberhuber, Kirschl, Lassnig, Hollegha. In einem Akte-Triptychon nebeneinander: Rouault, Kirchner, Oppenheimer (MOPP). Besonders stark der Anton-Kolig-Saal! Leopold hat luftig, locker und mit viel Raffinement gehängt. Von einem Punkt aus kann man drei in zwei verschiedenen Räumen unter andere Sujets gemischte "Schnitter" von Egger-Lienz vergleichen - und so die malerische Entwicklung von 1907 über 1915 bis 1922 erfassen. Das Souterrain füllt das 19. Jahrhundert mit Waldmüller, Ribarz, Schindler, Romako, als Spitzennamen - und eine klassische Küstenlandschaft von Courbet. Hier wirken die Wände hinter Salonbildern zu kalt. Eine Etage tiefer: Graphik, darunter die frühen Kubins, späten Klimts und Schieles - manche aufregender als viele seiner Ölbilder. Ein rankes Schiele-Mädchen zwingt ein bißchen erotischen Zauber auf die Außenwand. Ein Lockplakat. Solche Kunst-Textur an den Mauern außen wie innen wehrt Assoziationen ab an Mussolini-Architektur - wie in der römisches Satellitenstadt EUR. Doch den Besuchern, die sich vor den zu klein dimensionierten Lifts wartend die Beine in den Bauch stehen, kann keine Kunst mehr helfen. Ein blamabler Planungsfehler der Architekten Ortner & Ortner. Privat und staatlich Österreichs neuestes Museum wurde von Rudolf Leopold seit den frühen fünfziger Jahren zusammengetragen und vom Staat gebaut. Die künstlerische Leitung ist dem heuer 76jährigen, kein Zeichen von Müdigkeit zeigenden Dr. med. Rudolf Leopold auf Lebzeiten zugestanden; die kaufmännische Direktion hat er in aller Stille via facti übernommen; der zuständige achtköpfige Vorstand ist nur zur Hälfte unter der Kontrolle des Bundes - der den Museumsbetrieb finanzieren wird. Mit dem Kunstschatz von Rudolf Leopold und Geld aus dem Bundesbudget - Zusage einer Ratenzahlung bis 2007! - sowie Barem von der Nationalbank wurde 1994 die Leopold-Museum-Privatstiftung gegründet. Sieben Jahre danach steht das Museum zur Eröffnung bereit: Heute, Freitag, ist der offizielle Teil angesetzt, mit der "Museumsministerin" Gehrer, Peter Weibel, Rudolf Leopold als Rednern. Am Samstag stehen die Türen allen offen - zum normalen Preis von 125 Schilling (ermäßigt 80). Sabarsky und Leopold Zwei Sammler von Klimt, Schiele, Kokoschka, nämlich Rudolf Leopold in Wien und der aus Wien stammende Serge Sabarsky in New York, debattierten mindestens ein Jahrzehnt lang das Problem, wie man seine Sammelfrüchte in einem Museum zusammenhalten kann. Sabarskys empfahl Leopold die private Lösung: Einige Prunkstücke verkaufen, mit dem Erlös ein eigenes Museum einrichten. Sabarsky fand in Ronald Lauder einen so begeisterten wie potenten Partner: "Sein" Museum (Sabarsky starb 1996) wird unter Lauders Ägide Anfang November an der Fifth Avenue unterm (deutschen) Namen "Neue Galerie" eröffnet. Leopold wollte und konnte nicht folgen, denn der Denkmalschutz hätte nie und nimmer den Export von Raritäten bewilligt. (Halten wir nebenbei fest: Die Kunst-Ausfuhrbeschränkungen sind ein empfindlicher Eingriff in private Eigentumsrechte; wer das Engagement der Republik für Leopold kritisiert, darf nicht unterschlagen, daß der Staat aus seinen Exportverboten gegenüber dem dadurch Geschädigten Verpflichtungen übernimmt.) Leopold mußte mit dem Staat handelseins werden - und fand im damaligen Wissenschaftsminister Erhard Busek einen nervenstarken Partner. Denn der Umgang mit dem - durch ein unbestechliches Auge für traditionell-malerische Qualitäten gesegneten - Sammler ist bis heute nicht leicht. 1994 begann Leopold eine zweite Kollektion. Bilder wie "Die Generationen" von Egger-Lienz und die auf einer Wiener Auktion gekaufte späte "Stehende" von Schiele hängen nicht im Museum. So zeigt die Stiftung, nicht aber Leopold das Beste. Ein weiterer Bericht folgt in unserer Wochenend-Ausgabe. www.leopoldmuseum.org |
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