Salzburger Nachrichten am 9. April 2005 - Bereich: kultur
Marmor mit Schuhcreme

Klassisches Material und banale Themen präsentiert Markus Redl, ein junges Bildhauertalent, in Graz unter dem Motto: "Nächstes Jahr ist auch noch ein Tag."

MARTIN BEHRGRAZ (SN). Einer seiner Lehrer - Erwin Wurm - ist seit Jahren bemüht, das Material aus dem Skulpturbegriff zu verbannen. Er hingegen verwendet, oder sollte man besser sagen, verschwendet bewusst jene Materialen, die traditionellerweise mit Bildhauerarbeiten in Verbindung gebracht werden. Markus Redl setzt auf Marmor, bisweilen auch auf Bronze. Und vor allem setzt er auf Humor, auf Irritation.

"Nächstes Jahr ist auch noch ein Tag": Unter diesem kauzigen Titel steht die Personalausstellung von Redl in der Neuen Galerie Graz, die Freitagabend eröffnet wurde. Zu sehen sind ehrwürdige Materialien, die der Künstler für banale, ja "unkünstlerische" Botschaften einsetzt: "Wenn es im Bett nicht klappt, klappt es nirgendwo", hat er etwa in einem Fall in Marmor eingemeißelt und danach bemalt.

Der 28-jährige Absolvent der Universität für Angewandte Kunst in Wien fertigt aber auch Figuren. Meist sind es Frauen, die auf Blöcken sitzen oder hocken und ganz und gar nicht den üblichen Vorstellungen von Marmorbildnissen entsprechen. Der Titel einer Figur lautet "Oma", und zu sehen ist eine betagte Dame mit roter Blümchenbluse und blauer Hose - frisch vom Friseur kommend, aber ungeschönt. Eine andere, nackte Figur trägt den Titel "Na danke" und die Arbeit "Unterhosenkrüppel" zeigt eine kauernde Frau im roten Slip.

Warum er mit Marmor arbeitet? "Weil es ein Material ist, das extreme Widerstände aufweist und einen zwingt, extrem konsequent zu arbeiten", sagt der Künstler, der auch bei Ingeborg Strobl studiert hat.

Zusätzlich interessiert ihn der Gegensatz zwischen profanen Themen und dem "heiligen" Material. In seiner Arbeit an den Steinskulpturen verschwimmen die Grenzen zwischen Anliegen und Aufwand. Redl legt Wert darauf, dass die Arbeiten nicht nur etwas Banales zeigen, sondern auch nichts anderes vorgeben, als banal zu sein. "Das Banale am Banalen ist trügerisch, da es das Besondere mit sich bringt", sagt der Künstler.

Für die Einfärbung der zwischen 120 und 600 Kilogramm schweren Skulpturen verwendet Redl Schuhcreme. "Er entzieht sich mit seiner sehr humorvollen Subversivität dem klassischen Skulpturbegriff und einer historischen Festlegung", erklärt Günther Holler-Schuster, der Kurator der Schau, die bis zum 16. Mai geöffnet ist. Redl zeigt weiters Minitoiletten ("Inszenierte Scheiße"), Farbkopien mit comicartigen Darstellungen sowie Grafiken, die als Mixtur aus Sprachspielereien und Schönschreibübungen zu verstehen sind.