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OÖN Zitat
„Wir hatten nichts. Aber meine Mutter besorgte uns immer Zeichenmaterial.“
~Für die Kunst habe ich aber bewusst gelogen.~
Vom Wasser ins Kunstleben hinein gerissen
Die Musikkapelle Neumarkt spielt auf, Landeshauptmann und Bürgermeister halten Festansprachen. So wird am 3. März, 19 Uhr, nicht eine Landesausstellung eröffnet, sondern das neue Atelier der Künstlerin Therese Eisenmann. Die OÖN besuchten sie bereits.

Ein Pfadfinderzelt auf dem Gosaukamm. Ein altes Auto in Südtirol. Ein Zelt im Cevedalegebiet auf 2500 Metern Höhe. Die aufgelassene Kantine eines Marmorsteinbruchs. Ein Turm in einem Kloster im Eisacktal. Und - seit kurzem - die ehemalige Volksschule in Lamm zwischen Pröselsdorf und Neumarkt im Mühlkreis, wo morgen, Freitag, ein neues Atelier mit einem Festakt eröffnet wird.

Das sind einige der insgesamt 13 außergewöhnlichen Wohnsitze der ebenfalls außergewöhnlichen Zeichnerin Therese Eisenmann. Der vielfach preisbedachten Oberösterreicherin und ihren Lebenswelten gemeinsam: Kargheit, Rückzug, Genügsamkeit, Stille.

Nun ja, nicht ganz. Schließlich empfängt uns lautes Gebell, als wir den verschneiten Güterweg hin zur ehemaligen Volksschule in Lamm einbiegen: Hündin Mira, perfekte biologische Alarmanlage, eilt Eisenmann voran, die uns ihr neues Zuhause zeigt.

Atelier, Wohnsitz und Galerie. Der Blick geht weit hinaus in die Mühlviertler Landschaft. "Ist noch nicht fertig!" sagt Eisenmann und verdeckt ein großes Bild, das da an der Wand lehnt. Nicht fertig und trotzdem bereits von einer ungewöhnlichen Kraft: Je nach Blickwinkel erzeugen die Farbstriche ein Flirren, das Bewegung vortäuscht.

"Wasserfall" heißt das Werk. Und das Wasser ist auch ein Grundthema, das sich durch ihr Leben und somit durch ihre Kunst zieht. "Zeichnen war für mich das einzig Entspannte" - erzählt die 1953 geborene Tochter eines Gosauer Holzknechts und Enkelin einer Sennerin: "Wir hatten wirklich gar nichts und ich bin meiner Mutter dankbar, dass sie uns Material zum Zeichnen besorgte. Wahrscheinlich war sie froh, dass mein Bruder Hans und ich einmal nicht gestritten haben!"

Das Schlüsselerlebnis zur Kunst hatte sie mit ca. 12 Jahren: "Da hab ich in der Gosau in fließendes Wasser gestarrt und mir gedacht: Das werde ich nie malen können!"

Damit war für sie alles klar: "In der Schule war ich immer unterfordert. Aber das Wasser hat mich dermaßen herausgefordert. Dem musste ich mich stellen." Mit Beharrlichkeit ist sie auf ihr Ziel zu gegangen: "Bereits mit vierzehn hab' ich gewusst, dass es eine Kunstschule gibt in Linz und dass ich dort hin will." Doch die Familie winkte entsetzt ab.

Ihre einzige Chance nach Linz zu kommen, war der Lehrberuf: "Ich wusste, dass ich das nie ausüben werde, schrieb in der Hauptschule aber extra einen ganz rührenden Aufsatz, warum ich gerne Lehrerin werden will."

Eine Klarheit, die sie selbst irritierte: "Ich war ja an sich ein total ehrliches Kind und hatte da aber ganz bewusst gelogen." Ergebnis: Ein schweres Zerwürfnis mit dem Vater. Damals herrschte Lehrermangel und ihr Vater hatte sich verpflichtet, dass seine Tochter mindestens fünf Jahre Lehrerin in OÖ. sein werde: "Dafür bekam er 12.000 Schilling." Ein Vermögen für den Holzknecht. Aber das musste er nach ihrem "Kunst-Outing" zurückzahlen: "Da war die Hölle los."

Therese bekam keinen Groschen mehr: "Aber das hat mir geholfen, Sparsamkeit zu lernen." Sie stand Modell für Porträts, trug Zeitungen aus: "Dafür musste ich mich vor den ultralinken Buaberln rechtfertigen, die daheim wohnten, und täglich ihr Schnitzerl aßen, dass ich reaktionäre Blätter unterstütze."

Trotzdem: Mit Bravour meisterte sie Auseinandersetzungen mit Lehrern wie Peter Kubovsky. Mit Bravour saugte sie die angebotenen Techniken der Druckgraphik auf. Mit Bravour absolvierte sie die Kunstschule. Mit Bravour bewältigt sie eine schwere Lebenssituation nach der anderen. Und mit Bravour nähert sie sich immer wieder ihrem Lebensthema: "Dem Wasser. Wasser ist Bewegung, Bewegung der Puls des Lebens."

Im neuen Atelier sind einige Beispiele dafür zu sehen. Es fließt, es rinnt, es sprüht, es bäumt sich auf. Wer sie besucht, spürt die Kunst der Therese Eisenmann einmal unmittelbar.

Egal, ob sie Tiere, ob Menschen, ob Wasser zeichnet: Hier ist keine Momentaufnahme bildnerisch tiefgefroren. Hier ist Bewegung sichtbar. Und das ist eine Meisterleistung.

Kontakt: 07941-20582

Therese Eisenmann privat

Lieblingsspeisen: Das, was da ist. Am liebsten Gemüse, das ich mir selbst zubereite. Ich bin es einfach von Kindheit auf gewohnt, aus dem eigenen Garten zu schöpfen.

Lieblingsliteratur: Gute Krimis zur Entspannung.

Lieblingsmusik: Elektronische Musik von Günter Rabl taugt mir sehr. Auch Musica Alpina, oder "Almschroa" aus dem Salzkammergut.

OÖnachrichten vom 02.03.2006
 
   



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