So: Los geht's! Leider fährt der Nachtzug nach Venedig ja nicht mehr kurz vor Mitternacht am Südbahnhof ab, ...
...sondern - danke, liebe
ÖBB - schon kurz nach halb neun vom Westbahnhof, und braucht dafür unfassbare zwölf Stunden und elf Minuten.
* * *Fährt man tagsüber, berechnen die ÖBB von Wien nach Venedig sechs Stunden und 56 Minuten Fahrzeit. Und ohne mich jetzt auch nur annähernd mit Weichen, dem Gegenverkehr oder den Dienstplänen der Schaffner und Lokführer auseinandergesetzt zu haben, wage ich diese Kurssetzung jetzt schon infrage zu stellen. Zumal es natürlich auch keinen Speisewagen gibt. Weil: Schließlich ist ein Nachtzug ja zum Schlafen da und sind die Sechser-Liegeabteile von einer derartigen Gemütlichkeit, dass man ohne Weiteres diese satten zwölf Stunden durchbüselt.
Und so in der Gegend von Mestre darf man sich ja dann auf einen brennheißen so genannten Kaffee im absolut wärmedurchlässigen Pappbecher freuen. Aber egal, dass kann die Vorfreude nicht trüben. Schließlich ist Venedig immer eine Reise wert. Blöd nur, dass immer die ganze Weltbevölkerung geschlossen am selben Tag anreist. Aber auch egal, so ein überfülltes Vaporetto ist das kleine Vermögen für die Einzelfahrt als Tourist allemal wert, und italienisch Essen muss man ja nicht unbedingt in Venedig, das geht nicht nur fast überall auf der Welt billiger, sondern meist auch viel viel besser. Wer's immer noch nicht glaubt: Es gibt keine Geheimtipps! Weder was die ÖBB, noch was die Lagunenstadt betrifft. (mm, DER STANDARD, Printausgabe, 06.06.2007)