Wo Kunst ins Leben eingreift
Kunst. Performances zwischen Verkehrsstau und Selbstversuchen zeigt der Kunstverein in der Ausstellung „Performing the East“.
CLEMENS PANAGL SALZBURG (SN). Neu ist die Idee der Performancekunst ja nicht mehr. Aber auf ihre Wirkung ist noch immer Verlass. Ein aktuelles Beispiel liefert die Ausstellung „Performing the East“ im Salzburger Kunstverein.
In einer Performance zu der Schau blockierte der bulgarische Künstler Ivan Moudov am Montag einen Kreisverkehr in Anif durch ständiges Im-Kreis-Fahren. Das Resultat war nicht bloß ein lokaler Stau, sondern auch reges internationales Medieninteresse. In wie vielen deutschen Medien die Meldung von dem Polizeieinsatz, der die Aktion nach zehn Minuten beendete, Erwähnung fand, darüber zeigte sich sogar Kunstvereinschefin Hemma Schmutz bei der Presseführung am Mittwoch leicht verwundert.
Mit „Performing the East“ rückt Schmutz 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks die Performancekunst einstiger Oststaaten ins Zentrum. Dokumente von Aktionen aus den 70er-Jahren sind jüngeren und jüngsten Arbeiten gegenübergestellt. Der Mitschnitt von der Salzburger Verkehrsblockade, mit der Moudov wie schon in Weimar oder Sofia das Funktionieren von Systemen infrage stellt, ist neben dem Video eines Körper-Selbstversuchs von Marina Abramovic (1975) zu sehen, bei dem sie sich einen blutenden Tito-Stern in die Haut ritzte und sich nackt auf ein Kreuz aus Eis legte. Wie sehr Performance stets auch eine Körperkunst gewesen ist, lässt sich an vielen der 26 gezeigten Arbeiten nachvollziehen. Ein weiteres verbindendes Merkmal: Performance greife in Themen ein, die Menschen beträfen, sagte Schmutz. Viele der Aktionen haben politische Botschaften. Performance als angewandte Herrschaftskritik praktizierte etwa Tomislav Gotovac, der 1971 als erster Flitzer Jugoslawiens durch Belgrad lief. Und in „Women at Work“ versuchen Frauen vergeblich, Aussprüche des Diktators Tito mit schmutzigem Wasser von Tüchern zu waschen. Zu sehen ist die Arbeit ebenfalls in einem Video. Dem Kunstbetrieb widersetzt sich das Genre der Performance nämlich im Grunde bis heute: Ausstellbar sind meist nur Dokumente zeitlich begrenzter Aktionen. Mit dem Dokumentieren von Gewesenem gibt sich die Ausstellung indes nicht zufrieden: Fünf aktuelle Performances sind für die Dauer der Ausstellung angekündigt.www.salzburger-kunstverein.at




















