12.09.2002 13:52
"Durch Schmerz glücklich"
Fotoserien und Videos der Finnin Salla Tykkä in der Bawag Foundation zum
Rahmenthema "Pain Pleasure Guilt"
Wien - Das Erwachen der Sexualität, weibliche
Identitätssuche, Verletzlichkeit, Sehnsucht und Eigensinn sind Themen der erst
29-jährigen finnischen Foto- und Videokünstlerin Salla Tykkä, die im Vorjahr
bereits auf der Biennale in Venedig vertreten war. Die Bawag Foundation in Wien
widmet ihr ab Freitag und bis 10. November eine Ausstellung.
Der Titel
"Pain Pleasure Guilt" ist einer der Fotoserien entlehnt, die neben zwei zu einer
Trilogie gehörenden Videos in Wien zu sehen sind. Die gezeigten Arbeiten waren
Teil einer Personale, die der Künstlerin jüngst in der Kunsthalle Bern gewidmet
war. Ein gemeinsamer Katalog ist in Arbeit.
Kreislauf und
Magersucht
"Der Titel hat damit zu tun, dass man durch Schmerz
glücklich wird und sich schuldig fühlt, sobald man glücklich ist", erläuterte
Salla Tykkä im Rahmen der Presseführung einen Kreislauf, in dem sie auch während
ihrer früheren Magersucht gefangen war. Tykkäs sensible, atmosphärische und
teils stark symbolische Arbeiten entstehen aus einem sehr persönlichen Zugang.
Ihre Magersucht und den damit verbundenen Selbsthass etwa thematisierte sie in
frühen Fotoserien wie "My Body is my Art, my Body is my Enemy" und "Sick, More
Sick and the Sickest" oder dem Video "My Hate is Useless" aus dem Jahr
1996.
Die Abgrenzung von Innen- und Außenwelt, Realität und Imagination
zieht sich durch den Farb- und Schwarzweiß-Zyklus "Pain Pleasure Guilt" (2000),
in dem Salla Tykkä selbst posiert: mit einem Gewehr hinter einem Vorhang
versteckt etwa, durch den das Licht von außen schimmert, oder nackt - mit
Akupunkturnadeln in der Haut oder sich schützend ein Tierfell überziehend. Für
eine Reihe weiterer Serien hat sie Freunde abgelichtet, die, wie spielende
Kinder, Tiere nachmachen. Der Porträtzyklus "Anni" zeigt das verletzliche
Gesicht eines jungen Mädchens im Wind.
"Cave"-Trilogie
Die
beiden kurzen Videos "Lasso" (2000, im Vorjahr bei der Biennale Venedig) und
"Thriller" (2001) sollen zusammen mit dem derzeit entstehenden Film "Cave" eine
Trilogie bilden. Gemeinsam sind den beiden rätselhaft-symbolischen und wortlosen
Arbeiten die junge weibliche Protagonistin, die Stärke und Durchlässigkeit
zugleich verkörpert und aus deren Blickwinkel die Welt erlebt wird, die Mischung
aus Melancholie und Humor, das Spiel mit Filmgenres und die wichtige Rolle, die
die Musik einnimmt.
In "Lasso" kommt ein Mädchen vom Joggen zurück und
beobachtet, da sie die Haustür verschlossen findet, durch die Jalousie hinter
der Glasfassade zugleich bewundernd und geängstigt seinen Bruder, der wild und
selbstvergessen mit einem Lasso spielt, dramatisch untermalt von Ennio
Morricones Filmmusik zu "Once upon a time in the West". "Thriller" spielt in
einem finnischen Landhaus und zum Soundtrack des Horrorfilms "Halloween":
Während draußen die Eltern sich um Holz und Schafe kümmern, spinnt ein junges
Mädchen sich im Haus in ihre erotisch gefärbte Fantasiewelt ein, zwischen den
Familienmitgliedern scheint keine Kommunikation stattzufinden. Der Schluss, in
dem sie ein Schaf erschießt, lässt sich als Akt der Selbstbefreiung lesen.
(APA)