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11.07.05 Die
Rückkehr »Der Triumph
der Malerei« – die neue Ausstellungsserie der Saatchi Galerie in
London Von Roberto
Becker Das Programm der Londoner Saatchi
Galerie gegenüber dem Parlament am anderen Themse-Ufer zu beachten,
ist für Kunstinteressierte ein Muss: der private Sammler Charles
Saatchi bestimmt den Trend in der Gegenwartskunst. Erstaunlich, was
jetzt unter der Überschrift »The Triumph of Painting – 20th
Anniversary Exibition« (»Der Triumph der Malerei«) bis zum
Jahresende zelebriert wird. Es ist nicht einfach nur ein
Ausstellungswechsel, der eine möglichst reißerische Überschrift
brauchte. Es ist geradezu ein Paradigmenwechsel, den Saatchi da
gerade vollzieht. Sein erster Kurswechsel ist das nicht, doch er
könnte radikaler nicht sein. Bei Saatchi hat man sich nicht nur
wieder auf die Malerei besonnen. Diese vermeintlich vom Thron
gestoßene Königin der bildenden Künste, deren Verfechter und
Liebhaber sich zwischenzeitlich für hoffnungslos veraltet halten
mussten zwischen all den Video- und anderen Installationen, zwischen
den zersägten Tieren und allein mit dem Perspektivenwechsel
spielenden Großskulpturen – alles Medien, denen Saatchi selbst
gehörigen Vermarktungsrückenwind gegeben hatte. Es war nämlich
Saatchi, der 1997 mit seiner Ausstellung »Sensation« die jungen
Wilden (wie Damien Hirst etwa) der britischen Konzeptkunst auf den
Schild gehoben hatte. In den zu jeglichem neuen Kunstwerk in
wunderbaren Kontrast geratenden, ehrwürdigen Räumen des ehemaligen
Großlondoner Stadtrates, in denen sich die Ausstellungsräume
befinden, ist nur die frappierend irritierende, einen Raum
spiegelnde Öl-Installation »20:50« von Richard Wilson geblieben.
Ansonsten ist nicht nur die Wiedereinsetzung der Malerei in ihre
»Rechte« zu vermelden, sondern sogar ein deutlich erkennbarer Trend
zum Gegenständlichen, Figürlichen, ja gesellschaftlich
Verbindlichen. Und das ohne eine Spur von angelsächsischer Ignoranz
gegenüber den auf dem Kontinent Etablierten. Mit Jörg Immendorff,
Herrmann Nitsch und Martin Kippenberger gehören immerhin bedeutende
Künstler aus dem deutschsprachigen Raum zu den Protagonisten des
Auftaktes der dreiteiligen Ausstellungsfolge. Natürlich ist diese
Auswahl willkürlich, ließen sich auch andere Namen denken, zumal die
ausgewählten Werke nicht überraschend, sondern eher repräsentativ
sind. Als einziger Brite ist Peter Doig mit seinen romantisierenden
großformatigen Landschaften vertreten. Vor allem der Belgier Luc
Tuynmans und die Südafrikanerin Marlene Dumas mit ihren verstörenden
Kinderbildern setzen die stärksten emotional nachwirkenden Akzente.
Alles natürlich keine Neuentdeckungen, die der helfenden
Ausstellerhand bedürften, sondern eher umgekehrt. Vertreter eine
gesicherten Moderne, die Saatchis Bekenntnis zur Malerei
beglaubigen! Auch beim zweiten Teil der Ausstellungsserie überwiegen
Künstler, die wie Daniel Richter oder der Biennaleteilnehmer Thomas
Scheibnitz längst anerkannt sind. Erst in einem dritten Teil dann,
wird sich Saatchis Gespür für das Kommende tatsächlich erweisen
können. Da wird es nur seinen Neuentdeckungen zu sehen geben. Der
deklarierte Triumph des einen über das andere freilich, der liegt
mehr im Auge des Betrachters (Sammlers und Vermarkters), denn
wirklich vom Untergang bedroht war die Malerei zu keiner Zeit. Wer
das meinte, übersah nicht zuletzt auch die (Neo)-Rauch-Zeichen aus
Leipzig beispielsweise.
Saatchi Gallery London, der
zweite Teil der Ausstellung dauert bis September, der dritte bis
Dezember 2005. Der Katalog umfasst alle drei Teilausstellungen und
kostet 30 Pfund. www.saatchi-gallery.co.uk
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