In Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum und anderen
Leihgebern hat die Österreichische Galerie Belvedere in ihrem Zentrum für
Gegenwartskunst im Augarten eine Schau über den Avantgardefilmer Kurt Kren
(1929-1998) zusammengestellt.
"Das Unbehagen am Film" verfolgt die Strategie, scheinbar schwierige
Felder zwischen Film und Kunst in den späten Fünfziger- und
Sechzigerjahren für ein breiteres Publikum verständlich zu machen.
Parallel zur Ausstellung der Sammlung Hummel im Mumok kann in einem Teil
auch die Phase der konfliktbeladenen Filmarbeit Krens mit den Aktionisten
hier, und vom 3. bis 15. Juni auch im Filmmuseum, nachvollzogen werden.
Kren kam über die Op-Art (vor allem durch Helga Philipp und Marc
Adrian) zu neuen Wahrnehmungsfragen. Konrad Bayer, Ferry Radax und Ernst
Schmidt jr. vermittelten ihm eine strukturell-mathematischen Ästhetik als
Kunstmittel.
Krens Filme sind gedachte Bilder, mit Grundrechnungsarten verknüpft, in
Partituren vorgeplant, streng in Kader eingeteilte Abläufe, ohne jede
Erzählung. Zuerst schwarzweiß, wenn mit Ton, dann mit einer unabhängigen
Tonspur, die zuweilen auch durch Zerkratzen derselben erstellt wird. Was
da abläuft, sind scheinbar zerhackte, hektisch nervös anmutende
Bildabläufe und beunruhigende Geräusche, selbst wenn es sich nur um "Bäume
im Herbst" dreht.
Die Filme aus dem "Underground" wirken subversiv, weil sie unsere
Sehgewohnheiten hinterfragen, mit surrealer Strategie nicht
zusammenhängende Gegenstände verbinden oder Motive wiederholen und aus der
Dunkelheit und Unschärfe auftauchen lassen. Kren filmte ein kinetisches
Kunstwerk von Helga Philipp, um die Wege der optischen Täuschung und
Irritation von umklappender Perspektive oder Flimmern einzufangen; vier
wichtige Frühwerke der Künstlerin werden dazu präsentiert.
Nach der streng analytischen Phase, die auch vom Anhalten des
Einzelbilds und scheinbar holpriger Abfolge von Fuge und Schnitt lebt,
filmte Kren die ersten Aktionen von Otto Muehl und Günter Brus. Doch nur
Letzterer konnte sich mit der teils hektischen Bewegung der Filmbilder
anfreunden und sie mit Phasen gesteigerter Wildheit seines Agierens in
Einklang bringen.
Ende der Sechzigerjahre ging Kren einen Schritt weiter in eine
lyrische, auch politische, für ihn nachaktionistische Phase. Dabei hat er
mit "Schatzi" 1968 auch die nicht bewältigte Nazivergangenheit Österreichs
zum Thema gemacht.
Trotz des besonderen Grauens ist "Schatzi" ein geradezu poetischer
Film. Die nervöse strukturelle Reihung der Anfangsphase ist auch in "TV"
neuen Überlegungen zum Raumsehen und Kren in die Rolle eines "sanften
Voyeurs" geschlüpft.
Kren musste Wien nach dem Uni-Skandal der Aktionisten mit "Kunst und
Revolution" verlassen, Teile seiner Arbeit wurden beschlagnahmt. Nach
einer Odyssee wurde er 1989 in einer Hilfsaktion aus den USA zurück
geholt. Wim Wenders, Mike Kelly oder Christoph Schlingensief nennen ihn
bis heute ihr Vorbild.
Das Unbehagen am Film
Kurt Kren
Kurator Thomas Trummer
Hermine Müller-HofmannAtelier im Augarten
Bis 13. August
Sensibel.
Mittwoch, 10. Mai
2006