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vom 02.03.2007 - Seite 023
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Linz 09: Raus aus der Warteschleife
Immer lauter werden die Unmutsäußerungen über die Arbeitsweise des Intendanz-Teams für das Projekt EU-Kulturhauptstadt Linz 2009. Obwohl die Zeit dränge, gebe es noch immer keine verbindlichen Projektzusagen.
VON BERNHARD LICHTENBERGER UND IRENE JUDMAYER
"Wir haben eine Fülle von Projekten eingereicht, manche sind in einer Begutachtungs- oder Vorprojektphase, manche haben auch eine gewisse Sicherheit, dass sie drankommen. Was uns schlicht und einfach aufgrund der gegebenen Vorlaufzeiten fehlt, ist eine Planungs- und Finanzierungssicherheit. Die gibt es für die meisten unserer Häuser nicht. Deshalb haben wir darauf gedrängt, dass wir möglichst rasch wissen, womit sind wir dabei, in welcher Größenordnung und wie wird das finanziert - denn wir müssen uns auch budgetär darauf einstellen", sagt Landeskulturdirektor Reinhard Mattes im Gespräch mit den OÖN.
Mit Kulturhauptstadt-Intendant Martin Heller wurde vereinbart, "dass wir uns nächste Woche noch einmal treffen, Punkt für Punkt alle Fragen durchgehen und versuchen, sie gemeinsam zu lösen". Die großen Projekte müssten im Laufe dieses Halbjahres fixiert werden, "das scheint realistisch".
Zu den üppigen Vorhaben zählen eine Großausstellung im Schloss (da geisterte der Name Toulouse-Lautrec herum), ein Kompositionsauftrag beim Bruckner Orchester, Literaturprojekte vom Stifterhaus und "Projekte, die von wissenschaftlichen Symposien bis zu Großveranstaltungen im Bereich Bruckneruniversität reichen".
Aufgeblähter Apparat
Der Arbeitsstil des 09-Teams - Einreichungen sammeln, sichten und aussortieren - erinnert den Leiter einer großen Kulturinstitution "mehr an eine Zensur- denn an eine Förderungsbehörde", die noch dazu ein sehr aufgeblähter Apparat sei.
Bitter schmecke auch, dass Bruckner-Orchester-Chefdirigent Dennis Russell Davies monatelang warten musste, um einen Gesprächstermin bei Linz09-Musik-Kurator Peter Androsch zu bekommen.
Zunehmend unzufrieden sind die Vertreter der freien Szene. Hans Kropshofer vom Kunstinstitut "transpublic" bringt es im OÖN-Gespräch auf den Punkt: "Wir hängen noch immer in der Warteschleife!" Auch nach der Zwischenpräsentation eines größeren eingereichten Projektes fehle leider jede Verbindlichkeit von Seiten der 09-Intendanz: "Das hat mich etwas enttäuscht."
Hat das etwas mit einer gewissen Respektlosigkeit zu tun, von Freischaffenden zu erwarten, sich die Zeit für `09 frei zu halten? Dazu Kropshofer: "Ich kann mir das nicht leisten. Mir sind definitive Aussagen lieber - egal ob ja oder nein. Ich bin sonst in meiner Arbeit blockiert und kann damit schlecht umgehen, wenn alles permanent in der Schwebe bleibt."
Kropshofer weiters auf die OÖN-Frage, ob es nicht seltsam sei, dass die 09-Intendanz bisher hauptsächlich den Eindruck vermittle, nach dem Eichhörnchenprinzip fremde Ideen zu sammeln, selbst keinen kreativen Output zu haben und damit eigentlich nur ein Kuratorenmodell durchzuziehen: "Für uns ist das sicher schwierig, weil wir nicht wissen, was mit den Projekten passiert, wie und ob sie den Sponsoren richtig vermittelt werden, weil wir selber dazu keinen Zugang mehr haben."
Wenn auch strukturell etwas international Hochwertiges weitergebracht werden soll, müsse daneben wohl ein anderes Konzept parallel laufen: "Dazu braucht es sicher mehr als dieses Ideensammeln."
"Recht gut" geht es LIVA-Chef Wolfgang Winkler, "da Peter Androsch den Auftrag hat, mit mir zu kooperieren, weil er einen großen Teil im Brucknerhaus durchführen wird". Er sehe aber auch, dass sich die 09-Macher "bisher eher als Zuhörer und Ideensammler präsentieren. Was wirklich abgeht, ist der Ansatz einer Generalidee."
"Kein Problem" ortet Kunstuni-Rektor Reinhard Kannonier: "Unsere Projekte sind noch im Rennen, und soviel ich weiß, sucht das 09-Team parallel auch auf internationaler Ebene nach Ideen."
Pool in Bewegung
Lentos-Direktorin Stella Rollig, die einen guten Draht zu Martin Heller hat, sieht ein Projekt für ihr Haus gesichert: "Sound & Vision" (Ludwig Boltzmann Institute Media-Art-Re-search) wird sich der audiovisuellen Kunst im 20. Jahrhundert bis heute widmen. Für die Umsetzung von Vorhaben ist ihrer Einschätzung nach "beileibe nicht genug Zeit, was mich aber nicht stört, da wir in einer etablierten Situation sind und nicht eine freie Künstlergruppe, die auf ein ,Go!' wartet".
Auf der Kulturhauptstadt-Internet-Website heißt es zum Stand der Dinge: "Derzeit sind rund 900 Projekte in Abklärung. 68 Vorprojektstudien wurden in Auftrag gegeben. Absagen und Neuzugänge halten diesen Pool in Bewegung."
Die Projektarbeit an Linz 09: Für viele noch diffus wie dieses Donauprojekt, das "ziemlich sicher" realisiert werden soll Foto: Neumayr
"Was wirklich abgeht, ist der Ansatz einer Generalidee."
WOLFGANG WINKLER
LIVA-Chef
"Was uns fehlt, ist eine Planungs- und Finanzierungssicherheit.}
REINHARD MATTES
Landeskulturdirektor |
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