Die klassische Post liefert täglich aufs Neue Einladungen zu Eröffnungen in Galerien, von denen weder Veteranen noch der Nachwuchs je gehört haben. Anrufer sind auch im 21. Jahrhundert immer noch in großer Sorge, ob ihre E-Mails auch gut gelandet sind. Und wie immer vor großen Ereignissen gilt es vor allem eines nicht zu versäumen: RSVP. Weil, sonst schaut man nämlich ganz schön blöd durch die Gucci-Brillen aus der Prada-Panier, wenn man dann samt einer die Stilettos nicht gewohnten Begleitung vor einer freundlich, aber bestimmt abwinkenden Hostess steht, weil man wieder einmal der Bitte um Antwort nicht nachgekommen ist. Alles schon dagewesen. Alles selbst erlebt.
Egal, man soll sich ja quasi automatisch selbst professionalisieren im Alter. Bei mir kommt da noch die bekannt gut organisierte Jungfrau im Aszendenten durch, und der soll ja das zweite Lebensdrittel regieren. Trotzdem: Routine macht Angst, furchtbare Angst. Dass plötzlich alles wie am Schnürchen gehen soll, ist hoch verdächtig. War da nicht noch etwas? Nein, ich mein jetzt kein Zahlungsziel und nicht den Stromableser. Ich werde das blöde Gefühl nicht los, eine Biennale vergessen zu haben, eine, von der noch gar niemand weiß, eine, die plötzlich aus dem Boden schießt. Ich sag jetzt vorsichtshalber den Urlaub ab. (mm/ DER STANDARD, Printausgabe, 31.05.2007)