| Salzburger Nachrichten am 27. Juni 2003 - Bereich: kultur
Magie der apokalyptischen Bilder
Ein gemaltes Inferno von Kai Kuss in der Salzburger Galerie Altnöder
In einem neuen Werkzyklus besinnt sich Kai Kuss auf seine Wurzeln als Maler und arbeitet an einem Pendant zu seinen fotografisch dokumentierten Sprengungen. Er überrascht mit einer auf 1000 Bilder angelegten Serie, bei der eine Katastrophe das Thema abgibt. Inspiriert von japanischen Manga Comics erzählt er in einer Bilderfolge eine utopisch anmutende Story, die den üppigen filmischen Katastrophen-Szenarien in nichts nachsteht. Die fiktive Stadt Phönix wird in einer endzeitlichen Vision durch gewaltige Kräfte zerstört. Aus wechselnden Perspektiven, die der filmischen Sprache entlehnt sind, gibt Kuss Einblicke in das Chaos, das in die urbane Struktur eingebrochen ist. Wie im ägyptischen Mythos vom sagenhaften Vogel Phönix, der sich selbst verbrennt und aus der Asche wieder aufersteht, entwickelt er die verstö-rende Idee in Bildern von magischer Wirkung. Überlebende Individuen sind kafkaesk anmutenden Begegnungen mit insektenartigen Wesen ausgesetzt. Totale Übersichten aus der Vogelperspektive wechseln mit detailreichen "Nahaufnahmen", figurale Szenen gehen in labyrinthartige Räume über. Alles ist in ein eigenartiges apokalyptisches Licht getaucht. Die Ruinen werfen harte Schatten. Die Wunde im Weichbild der Stadt bekräftigt Kuss mit einer sensibel differenzierten malerischen Handschrift. (Bis 12. Juli) WOLFGANG RICHTER
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